Wirtschaftsgespräch mit Diskussion auf dem Rittersitz Haus Horst

Wirtschaftsgespräch mit Diskussion auf dem Rittersitz Haus Horst
Wirtschaftsgespräch mit Diskussion auf dem Rittersitz Haus Horst

Wirtschaftsgespräch mit Diskussion auf dem Rittersitz Haus Horst

Den Niederrhein, den Kreis Kleve, mit seiner Vielfalt in den Bereichen Natur, Kultur und Wirtschaft optimal entwickeln, ist lohnenswert für die Menschen, die Gäste und die Wirtschaft vor Ort. Zu einer Diskussion zur Thematik „Wo sehen Sie kurz- und mittelfristig die größten Herausforderungen und wichtigsten Aufgaben der Wirtschaftsförderung Ihrer Stadt, Ihrer Gemeinde bzw. des Kreises Kleve?“ und „Wie können Kooperationen von Kommunen und Kreis zu Erfolg aller Beteiligten führen?“ trafen sich heute der Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers, die Wirtschaftsförderer der Stadt Kalkar, der Gemeinde Bedburg-Hau und der Stadt Straelen – Dr. Bruno Ketteler, Dieter Henseler und Uwe Bons mit der Redakteurin Lorelies Christian und mir im Rittersaal von Haus Horst.

Realität ist, dass jede Gemeinde, jede Stadt im Kreis ihre eigenen Probleme und Aufgaben hat, die zu lösen sind. Neben den Bürgermeistern ist dann der Wirtschaftsförderer die zentrale Ansprechperson. Dabei geht es durchaus spannungsfrei zwischen Kreiswirtschaftsförderung und den Partnern in den Kommunen zu, eine Zusammenarbeit zum Wohle aller wird mit Respekt, Fachwissen und Lösungsziel verfolgt. Bei großen Bauprojekten beispielsweise arbeiten auch die Wirtschaftsförderer mehrerer Gemeinden effektiv zusammen, hier ist der gemeinsame Weg das Ziel. Im Bereich der Breitbandversorgung stellt die Kreiswirtschaftsförderung die optimale Fachkompetenz, die gern genutzt wird. Somit kann man hier von einer Plattform gleicher Probleme und Aufgaben sprechen.

Wirtschaftsförderer auf Haus Horst Kalkar - von links Uwe Bons, Straelen/Hans-Josef Kuypers, Kreis Kleve/Dr. Bruno Ketteler, Kalkar/Dieter Henseler, Bedburg-Hau
Wirtschaftsförderer Uwe Bons/Straelen, Hans-Josef Kuypers/Kreis Kleve, Dr. Ketteler/Kalkar und Dieter Henseler/Bedburg-Hau

Zwar wirbt jede Stadt, jede Kommune zunächst einmal für sich, dies schließt jedoch ein harmonisches und intensives Miteinander keinesfalls aus, da oftmals auch kleinere Gemeinden dieses Miteinandern gern annehmen.

Daneben gelten auch die Themen Fachkräftemangel, Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, Flächenbereitstellung und Flächenknappheit für äußerst wichtig. Den Einzelhandel für die Innenstädte attraktiv zu machen und auszubauen sowie ausländische Studienabsolventen im Kreis Kleve zu halten, gehört ebenfalls zu dem primären Aufgaben, die einer schnellen Lösung zuzuführen sind.

Auch der Tourismus, der seit Jahren im Kreis Kleve wie am gesamten Niederrhein einen starken Aufschwung erlebt, hat neben der Wirtschaftsförderung einen wichtigen Stellenwert. Auf beiden Ebenen erfolgt eine sehr gute Zuzsammenarbeit. Deutliche Zuwächse, z. B. bei den Ferienwohnungen, unterstreichen dies. Die Wirtschaftsförderungen mit den Standorten im Kreis Kleve sehen sich primär als Dienstleistungsunternehmen.

Dieter Henseler von der Gemeinde Bedburg-Hau sieht als wichtigste Aufgabe der Wirtschaftsförderung seiner Gemeinde die Bereitstellung bezahlbarer Gewerbeflächen. Auch er hält im Hinblick auf die entstehenden Kosten für Erschließung, Ankauf usw. eine Kooperation von Kommunen für sehr sinnvoll. Dieter Henseler ist darüber hinaus auch für die Bereiche Planen und Bauen in Bedburg-Hau verantwortlich und zuständig. Er schätzt die effektive Zusammenarbeit und den wertvollen Austausch mit der Kreiswirtschaftsförderung.

Dr. Bruno Ketteler merkt in seinem Statement an:

Die kontinuierliche Nachfrage nach Gewerbeflächen im Stadtgebiet Kalkar hat dazu geführt, dass ansiedlungsinteressierten Unternehmen im Augenblick kaum Flächen angeboten werden können. Im Gewerbegebiet „Auf dem Großen Damm“ und auch an der Talstraße sind im vergangenen Jahr alle verfügbaren Flächen veräußert worden. Stadtnah haben wir jetzt noch ca. 2 ha. am Oyweg im Angebot. Wichtig wäre, dass wir im Bereich des Industrie- und Gewerbeparks Kehrum, der sich toll entwickelt, weitere Flächen anbieten können.

In Kehrum sind wir damit beschäftigt, das Gewerbe- und Gründerzentrum (GGK) fit für die Zukunft zu machen. Im Gebäude wurde jüngst eine leistungsfähige WLAN-Infrastruktur installiert. Bis Mitte des Jahres folgt ein Gigabit-Glasfaseranschluss. Alle acht Hallen im GGK sind mittlerweile ausgebucht, die Seminarräume werden gut angenommen, das Bistro ist wieder in Betrieb und die Nachfrage nach Büroräumen im GGK steigt weiter an. Wir sind also auf einem guten Weg. Vor wenigen Wochen hat dort zudem das Zentrum Entrepreneurship (kurz: ZEN 4) seine Arbeit aufgenommen.

Für das ZEN 4 konnten wir federführend Christian van Aarßen gewinnen, der über vertiefte Erfahrungen mit der Gründerszene in Asien verfügt. Innovativen Unternehmen bietet das ZEN 4 eine Plattform, um Neues auszuprobieren und in möglichst erfolgreiche Geschäftsideen umzusetzen. Und mit einem sog. Coworking-Bereich, in dem Nutzer stunden- oder tageweise eine Büroinfrastruktur anmieten können, betreten auch wir Neuland und sind auf die Entwicklung gespannt.

Unabhängig von den lokalen Besonderheiten werden in den nächsten Jahren m.E. die Digitalisierung und der Fachkräftemangel die zentralen Herausforderungen für unsere Region sein. Was Erstere anbetrifft, wird uns im kommenden Jahr der mit Millionenbeträgen geförderte Ausbau der Außenbereiche einen großen Schritt weiter bringen. Denn der Zusammenhang zwischen der guten Breitbandversorgung einer Region und deren ökonomischen Wachstum ist empirisch unbestreitbar bewiesen. Der Blick nur auf den eigenen Kirchturm hilft da nicht weiter. Glücklicherweise greift die Kreis-WfG viele gemeinsame Anliegen der Städte und Gemeinden auf, bündelt und unterstützt diese. Das hat beispielsweise bei der Breitbandförderung prima geklappt und funktioniert auch bei Ansiedlungsanfragen von Unternehmen reibungslos.

Auch der Fachkräftemangel verlangt von uns neue Ideen. Viele junge Menschen zieht es in die Großstädte. Die hiesigen Unternehmen müssen sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen, ihr Profil schärfen und ein attraktives Arbeitsumfeld anbieten. Aber auch die Kommunen sind gefordert. Junge Familien brauchen Wohnbaugrundstücke, ein gutes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen und moderne Schulen. Und natürlich ein attraktives Wohnumfeld. Nach meinem Eindruck hat sich auch insofern im Kreis Kleve in den zurückliegenden zehn Jahres vieles zum Guten gewendet. Klar ist auch: wir müssen uns beim Werben um Arbeitskräfte als Region Niederrhein profilieren.

Last but not least können auch viele der Menschen, die in den letzten Jahren als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, zur Bekämpfung des Fachkräftemangels beitragen. Ausreichenende Sprachkenntnisse und ein Arbeitsplatz sind nach meiner festen Überzeugung Grundvoraussetzung für eine dauerhaft stabile Integration in unsere Gesellschaft.

Mein geschätzer Gast aus dem Südkreis Kleve, aus Straelen, vertritt diese Positionen:
Hauptaufgabe der kommunalen Wirtschaftsförderung ist es vor Ort Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu schaffen, die erfolgreiches Wirtschaften ermöglichen. Hierzu gehört, dass die „harten“ und die „weichen“ Standortfaktoren am Ort stimmen müssen. Zu den sogenannten „harten“ Standortfaktoren gehören zum Beispiel die Abgaben und Steuersätzen. Hier hat Straelen seit Jahren seine „Hausaufgaben“ gemacht. Mit unserem Hebesatz von 370 von Hundert, der auch in diesem Jahr nicht angehoben wurde, liegen wir unter der Top 5 in NRW.

Zu den „harten“ Faktoren gehört aber auch die Flächenverfügbarkeit. Hier haben wir in Straelen viele Jahre aus dem „Vollen“ gelebt und Flächen angeboten und vermarktet. Unsere verfügbaren Flächen am Ort neigen sich jedoch dem Ende zu. Hier kann und wird der Virtuelle Gewerbeflächenpool, das einzigartige Tool im Kreis Kleve, uns helfen.

Ein wichtiger Faktor ist die Verfügbarkeit des Personals. Hier haben wir „kleinen“ Gemeinden auf dem Lande sicherlich zu kämpfen. Hier sollten wir verstärkt auf die Ausbildung setzen und so versuchen, unsere Arbeitskräfte direkt vor Ort zu halten. Im vergangenen Jahr haben wir aus diesem Grund zum ersten Mal gemeinsam mit der örtlichen Wirtschaft eine Ausbildungsmesse in Straelen durchgeführt. Ziel war es hierbei die örtlichen Unternehmen mit den potentiellen Auszubildenden der Straelener weiterführenden Schulen zusammen zu bringen. Fast 60 Unternehmen haben sich der bofrost* Halle präsentiert. Auch in diesem Jahr wollen wir am Samstag, 06. Oktober wieder eine Ausbildungsmesse in Straelen starten.

Für das Personal der Unternehmen ist natürlich der Wohnwert in einer Gemeinde und die Verfügbarkeit und das Angebot von Grundstücken, Häusern und Wohnungen von Bedeutung. Als weiterer Punkt geht es um die Infrastruktur. In aller Munde ist derzeit die Breitbandversorgung. Die Deutsche Glasfaser hat die Gewerbegebiete in Straelen ausgebaut, so dass dort zukünftig schnelles Internet zur Verfügung steht. Aber auch in den Außenbereichen ist schnelles Internet wichtig. Denken wir an die vielen gartenbaulichen und landwirtschaftlichen Unternehmen, auch an den immer wichtigeren Bereich der Heimarbeit.

Hier haben der Kreis Kleve und die Kommunen im Kreis meiner Ansicht nach hervorragend zusammengearbeitet und einen gemeinsamen Förderantrag für die unterversorgten Regionen im Kreis auf den Weg gebracht. Die Förderbewilligungen von Bund und Land NRW liegen vor, so dass Mitte 2018 auch hier mit dem Ausbau gestartet werden kann.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist jedoch auch, dass sich die Kommunen /
Wirtschaftsförderungen um die Belange ihrer Unternehmen kümmern und bei Bedarf in ihren Anliegen unterstützen.

Hier ist sicherlich in erster Linie jede Kommune für sich gefordert. Es gibt jedoch Themen, die Sinn machen gemeinsam angepackt zu werden. Zum Beispiel haben wir uns in diesem Jahr gemeinsam im Kreis Kleve das Thema „Unterstützung und Förderung von Existenzgründungen“ vorgenommen. Durch den gemeinsamen Ansatz erreichen wir für unser Anliegen mehr Öffentlichkeit. Auch verstrickt sich nicht jede Kommune in ihren eigenen Ansätzen.

Eine weitere wichtige Herausforderung ist sicherlich die Stärkung der Innenstadt und des
örtlichen Handels. Hier haben wir mit unserem Einzelhandelskonzept vor einigen Jahren
wichtige Grundlagen geschaffen, die jetzt in 2018 umgesetzt werden. In direkter Innenstadtnähe wird in diesem Jahr ein neuer Vollsortimenter gebaut, der m.E., durch die kurzen Wege, auch die Innenstadt stärken wird.

Zusammengefasst sehe ich die wirtschaftliche Entwicklung in Straelen in den vergangenen Jahren sehr positiv. Wir haben uns als Zentrum für Agrobusiness am Niederrhein hervorragend weiterentwickelt und am Ort sind gute Investitionen vollzogen worden bzw. befinden sich derzeit in der Planung. Von daher bin ich, auch aufgrund der geplanten Ausbauaktivitäten beim schnellen Internet, für die Zukunft optimistisch.

Last but not least die Überzeugungen von Hans-Josef Kuypers, Kreiswirtschaftsförderer:
Die größten Herausforderungen liegen bei den Themen „Fachkräftebedarf“ und „Schnelles Internet“. Auch das Thema Flächenentwicklung für Unternehmensansiedlungen und -erweiterungen bleibt aktuell.

Thema „Fachkäftebedarf“:

Hierzu verweisen wir auf das beiliegende „Stichwortpapier“ und darauf, dass der Kreis Kleve erheblich in eine attraktive Bildungsinfrastruktur investiert (Hochschule Rhein-Waal, Berufskollegs in Geldern und Kleve).

Thema „Schnelles Internet“:

In 2017 ist es auch dank einer vorbildlichen Kooperation aller Kommunen und des Kreises Kleve gelungen, ein gemeinsames Breitbandkonzept zu entwickeln, dass nun mit Fördermitteln des Bundes und Landes umgesetzt wird. Das Konzept wurde unter Federführung der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve erstellt. Die Ausschreibungsverfahren zum Glasfaserausbau sind angelaufen. Angestoßen wurde das Thema bereits in 2013 mit den Unternehmerfrühstücken unter dem Titel „Standortfaktor schnelles Internet: Die Angebote heute – Planungen für morgen“.

Zu diesem Zeitpunkt hat die Telekom damit begonnen, den FTTC-Ausbau im Kreis Kleve voranzutreiben. Die Stadt Kevelaer zählte 2014 deutschlandweit zu den ersten zehn Kommunen mit VDSL-Technik (Bandbreiten bis 50 Mbit/s im Download).

Mit dem aktuellen, von Bund und Land mit über 50 Mio. Euro geförderten Ausbau werden kreisweit ca.12.000 unterversorgte Anschlüsse mit Glasfaser ausgestattet.

Thema „Flächenentwicklung“

Die planerischen Vorleistungen des Kreises Kleve und der Städte und Gemeinden sind mit dem Gewerbeflächenpool und mit dem Gewerbeflächenkonzept für Ansiedlungen mit mehr als 10 Hektar erbracht und in den Regionalplan eingeflossen. Schwierig bleibt es, bei wachsender und teils konkurrierender Flächennachfrage ehedem landwirtschaftlich genutzte Flächen für gewerbliche Neuansiedlungen zu gewinnen. In Einzelfällen drohen für die Regionalentwicklung erfolgversprechende Großansiedlungen hieran zu scheitern.

Statement zu Frage 2:

Gemeinsame Ziele und eine offene, intensive und fortlaufende Kommunikation sind die Erfolgsfaktoren. Dieses gelingt bei den diversen Aufgaben der Wirtschaftsförderung u.E. ganz gut. Neben den zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen ist der von der Kreis-Wirtschaftsförderung vorbereitete und nun unter Federführung des Kreises betriebene Ausbau der Breitband-Infrastruktur ein ausgezeichnetes Beispiel.

Auch der „Virtuelle Gewerbeflächenpool Kreis Kleve“ und das vom Kreis in enger Abstimmung mit den Kommunen entwickelte „Gewerbeflächenkonzept (Flächen > 10 ha) Kreis Kleve“ sind Ergebnisse gelungener Kooperationen und landesweit beispielhaft. Schließlich wäre die Ansiedlung der Hochschule Rhein-Waal ohne eine gemeinsame, kreisweit getragene Bewerbung für einen Hochschulstandort in Kleve nicht möglich gewesen.

Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern für diese interessante Diskussionsrunde.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Willi Heuvens