Vier Fragen an Thomas Kufen (CDU), Oberbürgermeister von Essen

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Vier Fragen an Thomas Kufen (CDU), Oberbürgermeister von Essen
Vier Fragen an Thomas Kufen (CDU), Oberbürgermeister von Essen - Foto: © Ralf Schultheiß, Stadt Essen

Vier Fragen an Thomas Kufen (CDU), Oberbürgermeister von Essen

Es sind nicht nur die Mandatsträger in der Bundes- und Landespolitik, die eine hohe Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger tragen, die Bürgermeister/innen und Oberbürgermeister/innen sind Manager ihrer Städte und Metropolen, wichtig für wirtschaftliche Entwicklungen, für das friedvolle Miteinander aller Bürger und für einen Lebensstandard, der das Niveau einer Kommune ausmacht.
Oberbürgermeister und Christdemokrat Thomas Kufen war u.a. acht Jahre Mitglied des Landesparlaments von Nordrhein-Westfalen und fünf Jahre Integrationsbeauftragter. Seit Herbst 2015 ist der gelernte Kaufmann Oberbürgermeister der Metropole Essen.

Gerne nimmt Thomas Kufen an dieser Serie teil, hier meine Fragen und seine Antworten.

1. Essen ist eine Metropole, eine „Grüne Hauptstadt“ Europas. Was macht Essen besonders für Naherholungssuchende, Touristen und Naturfreunde so attraktiv?

Thomas Kufen

Essen ist eine pulsierende und lebendige Stadt – und das nicht nur im Zentrum, sondern auch in den unterschiedlichen Stadtteilen. Rund 1.600 Hektar des Essener Stadtgebiets werden als Parkanlagen genutzt. Heute finden sich Grünflächen über das gesamte Stadtgebiet verteilt und bieten den Besucherinnen und Anwohnern die Möglichkeit zur Erholung vor der Haustür. Der Grugapark Essen gehört mit seinem botanischen Garten, einem Tierpark, einem Spiel- und Sportparadies, einem Gesundheits- und Kurangebot, den zahlreichen Wiesen, Tummel- und Grillplätzen und der Konzertarena zu den schönsten und größten Volksgärten Europas. Selbst auf ehemaligen Industriegeländen wie der Zeche Zollverein, die seit 2001 zum UNESCO-Welterbe gehört, hat sich die Natur weite Flächen zurückerobert, die man auf der „Route der Industrienatur“ entdecken kann. Über 350 Kilometer Radwege und 36 Fahrradstraßen in Tempo-30-Zonen erstrecken sich über das gesamte Stadtgebiet. Auch an Ruhr, Rhein-Herne-Kanal und neuerdings auch an den Wasserläufen des Emschersystems bieten Radwege Erholung und Freizeitvergnügen abseits des Straßenverkehrs.
Sie dienen nicht nur der sportlichen Freizeitgestaltung, sondern werden auch gerne für den Weg zur Arbeit mit dem Rad genutzt. Auf 14 Essener Thementouren bilden Parkanlagen, Kirchen, ehemalige Zechen, aber auch gemütliche Biergärten interessante und erfrischende Stationen. Besonders beliebt sind dabei die Routen über ehemaligen Trassen der Zechenbahnen. Entsprechendes Kartenmaterial ist in der Touristikzentrale am Hauptbahnhof erhältlich.

Daneben gibt es ein reichhaltiges Kultur- und Freizeitangebot in Theater, Philharmonie Ruhr Museum und Museum Folkwang sowie Sport- und Ausflugsmöglichkeiten zum Baldeneysee mit seinem bekannten Segelrevier und einer ausgedehnten Uferpromenade.

2. Essen bringt man immer wieder in Verbindung mit der Schwerindustrie. Worauf setzt man mittelfristig in dieser Stadt im Bereich Wirtschaft?

Thomas Kufen

Acht der 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen sind heute in Essen ansässig. Mit E.ON und RWE sowie innogy als Energieversorger ist Essen nachwievor die Energiehauptstadt Deutschlands. Aber auch thyssenkrupp, Aldi Nord, Evonik und Brenntag, Schenker als Logistikunternehmen und Hochtief haben ihren Hauptsitz in unserer Stadt. Einer der größten Arbeitgeber in der Stadt ist die Medizinwirtschaft. Nur Hamburg (13) hat in Deutschland nach Umsatz bemessen mehr Großkonzerne. Im Vergleich der zehn größten Städte Deutschlands ist Essen der Standort mit der zweitstärksten wirtschaftlichen Entwicklung (Quelle: EWG). Wir haben also exzellente Voraussetzungen uns national und international als TOP-Standort mit einer hohen Lebensqualität zu positionieren. Aus der ehemals größten Montanstadt Europas ist eine moderne Dienstleistungsstadt geworden.

3. Thematik Infrastruktur – wo gibts hier noch brachliegende Kapazitäten, die es kurzfristig aufzuarbeiten gilt?

Thomas Kufen

Eines der Ziele, das mit dem Titelgewinn der Grünen Hauptstadt verbunden ist, ist der sogenannte Modal Split. Das bedeutet, das Angebot an unterschiedlichen Mobilitätsformen innerhalb der Stadt. Das erklärte Ziel: bis 2035 wollen wir eine Aufteilung von 25 Prozent unter den unterschiedlichen Fortbewegungsarten erreichen. 25 Prozent soll der Autoverkehr ausmachen, 25 Prozent der Öffentliche Nahverkehr, 25 Prozent der Fahrradverkehr sowie 25 Prozent die Fußgänger. Vor allem beim Thema Fahrradverkehr haben wir noch ein Stück Arbeit vor uns. Denn heute erzielen wir hier nur rund sechs Prozent. Mit dem Ausbau an Fahrradwegen, unter anderem auch dem Radschnellweg Ruhr (RS1), mit zahlreichen Angeboten für mobile Radstationen sowie Kombi-Tickets für den ÖPNV gehen wir den Ausbau des Radverkehrs konsequent an.

4. Wohn- und Schulstandort Essen. Was macht Essen in den Bereichen Wohnen und Bildung attraktiv?

Thomas Kufen

Essen ist seit Jahren wieder eine wachsende Stadt. Das sieht man heute deutlich im Stadtbild, denn gerade derzeit entstehen viele neue Wohnbauprojekte. In den Stadtteilen, aber auch im Herzen der Innenstadt. Der Umbau der „Grünen Mitte“, die das Universitätsviertel mit der Innenstadt verbindet, die Kastanienhöfe in der nördlichen Innenstadt oder die Entwicklung von ehemaligen Industrieflächen der Firma thyssenkrupp im Rahmen des Projekts Essen.51 sind nur einige Beispiele für die Entstehung neuen Wohnraums. Das Bildungsangebot als Universitätsstadt reicht von der Grundschule über die weiterführenden Schulen bis hin zur universitären Lehre. Im letzten Jahr ist die Universität Duisburg-Essen im Times Higher Education Ranking der weltbesten jungen Universitäten auf einem ausgezeichneten 17. Platz – wohlgemerkt weltweit – gelistet worden. Essen hat eine UNESCO-Schule, eine internationale Schule und verfügt mit Berufskollegs, der VHS und der Hochschule für Berufstätige (FOM) auch über Angebote für den zweiten Bildungsweg.

Ganz herzlich bedanke ich mich auch im Namen der Leserinnen und Leser beim Essener Oberbürgermeister und wünsche ihm weiterhin viel Kraft für die Bewältigung seiner vielfältigen Aufgaben und Stärke für die großen Herausforderungen der Zukunft.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: © Ralf Schultheiß, Stadt Essen