Vier Fragen an den Schatzmeister im Kreis Kleve Herbert Derksen

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Vier Fragen an Herbert Derksen, Schatzmeister im Kreisverband Kleve der Partei Die Linke
Vier Fragen an Herbert Derksen, Schatzmeister im Kreisverband Kleve der Partei Die Linke

Vier Fragen an Herbert Derksen, Schatzmeister im Kreisverband Kleve der Partei Die Linke

Die Linke hat es schwer, zweistellige Ergebnisse bei den Wahlen im Kreis Kleve und bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen einzufahren. Für mich an und für sich unverständlich, da diese demokratische Partei umsetzbare Lösungen gegen Armut, Altersarmut, Minirenten und Minilöhne anbietet und wir in Deutschland ca. 20 Millionen Rentner und mehr als 40 Millionen Beschäftigte zählen.
Herbert Derksen war gern bereit, sich meinen Fragen zu stellen.

1. Zwei Wahlkämpfe stehen kurz- bis mittelfristig an. Wo sehen Sie die Eckpfeiler, mit denen die Linke bei der Landtags- und bei der Bundestagswahl punkten kann?

In Westdeutschland hat die Partei „Die Linke“ einen schweren Stand haben doch viele Bürger ein verzerrtes Bild von den politischen und sozial-gesellschaftlichen Zielen der Partei. Daher muss unsere Partei die Bürger – und da besonders die junge Generation – in ihre politischen Arbeit einbeziehen, sie ermutigen aktiv teilzunehmen um sich selber ein Bild von der Partei „Die Linke“ zu machen statt sich von teils diffamierenden Äußerungen durch Politikern anderer Couleur und (rechtskonservativer) Journalisten indoktrinieren zu lassen. So tut Aufklärung Not, denn die Gefahr für Demokratie und den soziale Frieden kommen aus ein ganz anderen Ecke: es ist die elitäre Gesellschaftsschicht, die sich aus der Solidarität verabschiedet, sich der Gemeinschaft widersetzt und das Gemeinwohl aus dem Auge verloren hat. Die elitäre Gesellschaft hatte noch nie ein Problem mit Faschisten – wie man sie bei der AfD vorfindet – und sieht nicht die Gefahren, die da auf unsere Gesellschaften in Europa zukommen (wie z.B. den Nationalismus, die Fremdenfeindlichkeit und Demokratieabbau). Aber um Aufklärung betreiben zu können benötigt es u.a. einer guten Bildung, die in diesem Land schon seit über 40 Jahre vernachlässigt wird. Andere Länder wie unser Nachbar, die Niederlande, oder die skandinavischen Länder sind uns da weit voraus. Die Erziehung, Bildung und Ausbildung unserer Kinder sind wesentliche Aspekte um die Gesellschaft vor sozialer und finanzieller Verarmung und Verrohung zu retten. Des Weiteren benötigt es auch einer kritischen, unabhängigen, überparteilichen und seriösen Medienlandschaft, die objektiv, ausgewogen und fair berichtet. Da versagen aber unsere Leitmedien und ganz besonders die Öffentlich-rechtlichen Sender, die von unser aller Rundfunkgebühren finanziert werden. Um eine funktionierende Solidaritätsgemeinschaft zu etablieren muss in Aufklärung, Bildung und Infrastruktur investiert werden, auch um der Verarmung, der Fremdenfeindlichkeit und dem aufkeimenden Nationalismus entgegenzuwirken. Dieses Land – das reichste Europas – war noch nie so vermögend wie heute, aber es lebten auch noch nie so viele Kinder (in absoluten Zahlen ) in Armut. Geld ist genügend vorhanden um die Armut zu beseitigen, die Infrastruktur zu „heilen“ …und Europa zu retten. Dieses Geld ist nur falsch verteilt. Daher wollen wir, die Partei „Die Linke“, uns dafür einsetzen, dass alle Menschen in diesem Land gleiche Möglichkeiten besitzen statt nur gleiche Chancen (FDP). Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Vermögen der starken Schultern – das ja die Arbeiter erwirtschaftet
haben – angezapft werden um so zu mehr Gerechtigkeit und weniger Ungleichheit zu gelangen. Wir müssen weg von der Irrlehre des menschenverachtenden Neoliberalismus und deren Prämisse, der freie Markt wird sich selber regulieren. Wer ist denn der „Markt“?

2. Meine Überzeugung ist, dass die Thesen bezüglich der Wirtschafts- und Finanzpolitik von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht den Wohlstand „für die einfachen, fleißigen Leute“ und für die Rentner heben. Warum wählen nicht mehr Arbeitnehmer und Rentner die Linke?

Wie ich schon in Beantwortung der vorherigen Frage erwähnte, haben viele Bürger ein verzerrtes Bild von den LINKEN. Dazu kommt, dass der Deutsche kein Revolutionär ist und sich zu sehr von der Angst leiten lässt. Veränderungen machen vielen Menschen Angst und daher bleibt der konservative Deutsche bei dem Vertrauten, auch wenn mit der Zeit Verschlechterungen und Langeweile Einkehr einhalten. Zumindest weiß man wo dran man ist, aber bei einer Veränderung – auch wenn sie zum Besseren ist – kommt bei diesen Menschen das Gefühl der Überforderung und Ohnmacht auf, die ihnen Angst bereitet. Wie sagte doch ein Freund zu mir: „Mein Großvater hat schon CDU gewählt, mein Vater hat CDU gewählt. Da werde ich selbstverständlich auch CDU wählen.“ Und das viele andere Bürger auch so oder so ähnlich denken, darauf verlassen sich die rechtskonservativen Politiker. Es muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen:“Wer Mut zu Veränderungen hat, hat ein interessantes, glückliches und zufriedenes Leben. Ein Neuanfang ist oft erquickend und belebend. Man löst sich vom alten Trott, von der eingezogenen Langeweile und lebt viel intensiver.“

3. Das Rentenniveau wird weiter sinken, die Alters- aber auch die Kinderarmut drastisch steigen – dies sind Realitäten, denen sich keiner verschließen kann. Muss man nicht besonders eine spezielle Aufklärungsarbeit bei denen machen, die bald in den Ruhestand gehen?

Aufklärungsarbeit?! Na ja, das machen doch schon die wirtschaftsnahen Ökonomen, auch als Bordsteinschwalben der Wirtschaftswissenschaften bezeichnet, elitäre Journalisten und wirtschaftsnahe Politiker wie z.B. mein spezieller „Freund“ Jens Spahn (CDU). Diese Art von „Aufklärungsarbeit“ ist sehr einseitig und manipulierend. Wenn man bedenkt, dass man für das Jahr 2030 eine Demografieentwicklung wie für die 1970er voraussagt, dann muss uns
keine Furcht überkommen. Denn die 1970er haben wir doch sehr gut gemeistert?!
Das Problem ist gar nicht primär die Demografie sondern viele mehr die mangelnde Solidarität und die Habgier weniger in diesem Land. Die Bürger werden kaum noch aufgeklärt – außer diese schauen sich die Polit-Satiresendung „Die Anstalt“ im ZDF an oder informieren sich im Internet bei den NACHDENKSEITEN – sondern durch fehlende und falsche Informationen manipuliert. Alle Industriestaaten haben in etwa die gleiche Demografieentwicklung, aber nur in den neoliberal ausgeprägten Ländern ist die Armut groß. Wir sollten uns ein Beispiel an die Schweiz nehmen …oder an Schweden, Dänemark oder die Niederlande.
Solidarität hilft uns die Verarmung im Alter und bei den Kindern zu beseitigen. Die gesetzliche Rente wird ohne Not dem menschenverachtenden Kapitalismus geopfert. Sie muss wieder gestärkt werden, denn es gibt nichts Besseres und Zuverlässigeres! Viele unserer Politiker, Ökonomen und (Wirtschafts)Journalisten
verstehen die Zusammenhänge zwischen Wohlstand, Wirtschaftswachstum sowie Produktivitätszuwachs nicht und vergaloppieren sich dann zu
dümmlichen Aussagen. Weitere Ursachen der Schwächung der gesetzlichen Rente ist der Niedriglohnsektor sowie das Lohn- und
Sozialdumping in diesem Land, worunter auch unsere europäischen Freunde (wie z.B. Griechenland und Frankreich) leiden müssen. Die
Löhne in Deutschland sind im Mittel etwa 30 % zu niedrig. Ohne Not haben die Gewerkschaften diese Lohnspirale nach unten mitgemacht, denn Deutschland war noch nie das Sorgenkind Europas: Deutschland war immer wettbewerbsfähig, aber es konnte die Gier nach immer mehr Rendite nicht befriedigen.

4. Ich sehe in der AfD eine große Gefahr für die Demokratie, für mich ist diese Partei streng neoliberal und bietet keinerlei Lösungen für die Probleme von Gegenwart und Zukunft. Sehen Sie dies auch so?

Sie haben vollkommen recht. Die AfD ist noch gefährlicher und menschenverachtender als die FDP. Wieder einmal fallen – in meinen Augen – feige und niederträchtige Bürger auf Rattenfängern rein. Wie schon erwähnt sind die Deutschen keine Revolutionäre, begehren nicht gegen die Obrigkeit auf sondern sind Radfahrer: nach unten treten und nach oben buckeln. Sehr wohl auf die „Schwachen“ in unserer Gesellschaft eintreten, die ja nun nichts für die Armut und hohe Arbeitslosigkeit können, aber zu feige gegen die Verursacher der unhaltbaren sozial-gesellschaftlichen Zustände und den wahren Sozialschmarotzern vorzugehen: das Kapital und diesem dienende Politiker von CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne/Bündnis 90. Die Deutschen, und hier besonders die Gewerkschaften, müssen sich ein Beispiel an die Franzosen nehmen. Dort wird sich gegen die unmenschliche und undemokratische Politik der französischen Regierung gestellt, gekämpft und bis zum Äußersten Widerstand geleistet. Chapeau! Die Franzosen imponieren mich …und erhalten meine Unterstützung.

Ich bedanke mich bei Herrn Derksen und bei der Linken für die Mitarbeit an dieser Serie.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: HDerksen-BKK_Euregio
Niederrhein-Report:
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