Vier Fragen an Michael Traurig, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler

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Vier Fragen an Michael Traurig, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Straelen
Vier Fragen an Michael Traurig, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Straelen

Vier Fragen an Michael Traurig, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Straelen

Michael Traurig ist nicht nur Fraktionschef der Freien Wähler im Rat der Blumenstadt Straelen, auch in den Ausschüssen für Tourismus und Wirtschaft, Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Umwelt kennt man seine effektive Arbeit. Der kaufmännische Leiter und Prokurist beim Unternehmen Tecklenburg GmbH in Straelen – Michael Traurig – ist darüber hinaus erster Vorsitzender der Freien Wähler – Bürger im Kreis Kleve.

Gerne nahm er an dieser Medienserie teil und beantwortete die vier Fragen.

1. Oft hat man den Eindruck, die etablierten Parteien haben keine Lösungen mehr für die Probleme von Gegenwart und Zukunft, was unterscheidet die Freien und Unabhängigen Wählergemeinschaften von den Altparteien?

Michael Traurig

Der große Unterschied zu den etablierten Parteien ist, dass es sich bei den Freien Wähler (FW) und Unabhängigen Wählergemeinschaften (UWG) eben NICHT um Parteien handelt, sondern i.d.R. um Vereine vor Ort, deren einiger Sinn und Zweck das Engagement in der Lokalpolitik ist. Zwar haben die FW/ UWG bürgerlich liberalen Kern , jedoch können wir unsere Lokalpolitik losgelöst von Parteiprogrammen auf Landes- oder Bundesebene machen und laufen nicht Gefahr, von irgendwelchen Kreis- oder Bezirksgremien zurückgepfiffen zu werden. Um es noch einmal deutlich zu sagen: „Unser Focus liegt auf der Kommunalpolitik!“

2. Politik im Kreis Kleve. Als Mensch der Wirtschaft sehe ich viele Fehlentscheidungen der Parteien, die im Kreistag „das Sagen“ haben, z. B. bei der Unterstützung des Airports bzw. bei der fehlenden Rückzahlung von Zinsen und Tilgungsbeträgen, wie ist die Meinung der Freien Wähler dazu?

Michael Traurig

Die Beispiel RWE Aktien und Flughafen Weeze zeigt, dass der Kreis Kleve hohe Risiken zu Lasten der kreisangehörigen Kommunen und deren Bürger eingeht. Was die RWE Aktien angeht, die vor Jahren über eine Wandelanleihe verkauft und dann wieder zurück erworben wurden, ist dem Kreis Kleve ein Schaden aufgrund von Abschreibungen in Höhe von fast 90 Mio Euro entstanden. Ähnlich könnte es mit dem Engagement beim Flughafen Weeze verlaufen, wenn die Betreibergesellschaft nicht in der Lage ist Zins und Tilgung zu zahlen. Bisher hat der Kreis Kleve anstelle von Zinszahlungen Anteile am Flughafen übertragen bekommen. Was diese Anteile aber wirklich wert sind, mag keiner zu sagen. Fakt ist, dass der Kreis Kleve sicherlich in der Anfangsphase eines solchen Projektes sich auch finanziell einbringt, jedoch müssen die vorher definierten Ausstiegsklauseln dann auch eingehalten werden. Ein weiter so wird ist aus Sicht der Freien Wähler fehl am Platze.

3. Eine Gefahr für die Demokratie geht m. E. von der AfD aus, wie sehen dies die (Kommunal-)Politiker der Freien Wähler?

Michael Traurig

Das Phänomen von AfD & Co. in Deutschland und Europa sehen wir als Gefahr für den inneren Frieden an, nicht jedoch für unsere Demokratie, da diese sicherlich stark genug ist, auch solche Extreme auszuhalten. Die Beispiele von Bündnis90/DieGrünen und DerLinke zeigt, dass sich auch solche Parteien mit teils extremen Ansichten in unserer Demokratie anpassen müssen, da sie sonst auf Dauer nicht wählbar sind. Die Frage ist allerdings, wie wir mit dieser Gefahr umgehen bzw. wie wir versuchen die AfD inhaltlich zu bekämpfen. Ein Verbot wäre sicherlich der falsche Schritt. Vielmehr müssen sich die Politiker mit den Ängsten und Sorgen der Bürger – viele von denen waren bisher übrigens Nichtwähler – auseinandersetzen und diese ernst nehmen. Diese Bürger als dumm oder rechts zu verteufeln, wird das Problem nicht lösen.

4. Sind nicht viele Mandats- und Entscheidungsträger mit ihren Aufgaben überfordert? Wäre es nicht vorteilhafter, wenn beispielsweise die Sachkenntnisse in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen nachzuweisen wären?

Michael Traurig

Sicherlich ist das Ansinnen, ‚Fachkräfte‘ als Entscheidungsträger einzusetzen, lobenswert, jedoch würden wir dann in einer Technokratie leben, die sich von der Demokratie abzukoppeln droht. In unserer Demokratie sollten die Mandats- und Entscheidungsträger dem repräsentativen Querschnitt unserer Gesellschaft entsprechen, auch auf die Gefahr hin, dass es Defizite in der persönlichen Qualifikation gibt. Dafür aber haben die Bürger die Möglichkeit, sich alle vier bis fünf Jahre auf ein neues zu entscheiden, wem sie ihre Stimme geben.

Ich bedanke mich herzlich bei Michael Traurig, auch im Namen der vielen an der Politik interessierten Leserinnen und Leser und wünsche ihm viel Erfolg auf seinem weiteren Weg.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Michael Traurig_FB
Niederrhein-Report:
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