Vier Fragen an Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn

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Vier Fragen an Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn
Vier Fragen an Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn

Vier Fragen an Erzbischof Hans-Josef Becker, Erzbistum Paderborn

Das Leitwort des Erzbischofs von Paderborn lautet: In Verbo autem tuo – Auf dein Wort hin. Dies sind die Worte Petrus nach einem erfolglosen Fischfang und deuten darauf hin, es immer noch und immer wieder mit den Worten und der Lehre Jesu zu versuchen. Der Erzbischof ist ein Mann, der sich gern unbequemen Fragen und Situationen stellt, so auch in der Flüchtlingsfrage. Nächstenliebe und Fürsoge im Sinne Christi gelten seiner Ansicht nach auch und insbesondere für Menschen, die vor Krieg, Gewaltherrschaft und Not flüchen und unsere Hilfe und Zuflucht suchen.

Wie seine Mitbrüder, die Bischöfe Dr. Felix Genn – Bistum Münster – und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck aus Essen, war auch der Erzbischof von Paderborn gerne bereit, für die vielen Leserinnen und Leser meine Fragen zu beantworten.

1. Wo sehen Sie in einer Zeit wachsender Armut und gesellschaftlicher
Ungerechtigkeiten die Position der katholischen Kirche?

Erzbischof Hans-Josef Becker:
Die Position der katholischen Kirche wird uns vom Evangelium vorgegeben: Das Leben Jesu war geprägt von seinem Einsatz für die Armen, Schwachen, Kranken und Benachteiligten. So ist die katholische Kirche immer verpflichtet, auf der Seite der Armen zu stehen – und das zu allen Zeiten, aber natürlich auch gerade
heute, wo soziale Unterschiede und Ungerechtigkeiten sich wahrnehmbar zuspitzen. Papst Franziskus macht dies als Oberhaupt der katholischen Kirche immer wieder sehr deutlich: Er fordert eine klare Option für die Armen, er fordert eine Kirche, die an die Ränder geht und Jesus so radikal nachfolgt. Ich bin in diesem Zusammenhang sehr dankbar für die vielen Beispiele konkret gelebter Nächstenliebe auch hier bei uns im Erzbistum Paderborn. Sehr viele Menschen engagieren sich in vielfältigen Zusammenhängen caritativ. Und damit meine
ich sowohl die mitmenschliche Hilfe bei materieller Armut als auch bei Armut in Form von Vereinsamung und Hilflosigkeit.

2. Verstärkt finden in den letzten Jahren Gespräche zwischen den Religionen statt. Sehen Sie eine positive Zukunft für eine friedvolle Zusammenarbeit im Sinne der Ökumene?

Erzbischof Hans-Josef Becker:
Im Erzbistum Paderborn sind wir mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern seit vielen Jahren in einem guten Dialog. In vielen Gemeinden im Erzbistum wird die Ökumene miteinander gelebt. Auch auf bundesweiter
Ebene kann von einem konstruktiven Miteinander gesprochen werden. Nehmen Sie ein Beispiel: Erst vor wenigen Wochen war eine Delegation rund um Bischof Heinrich Bedford-Strohm, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland bei Papst Franziskus zu Besuch. Ich denke, das alles sind gute Signale, die gerade auch vor dem Hintergrund des 500-jährigen Reformationsgedenkens auf vielen Ebenen gesetzt werden.
Auch der interreligiöse Dialog gewinnt in einer Gesellschaft, die vom Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen geprägt ist, an Bedeutung. Auch hier finden im Erzbistum Paderborn gute Gespräche statt, die ein konstruktives Miteinander unterstützen.

3. Für viele der „suchenden Menschen“ wird die Persönlichkeit des Jesus Christus auch eine politische Figur. War Jesus politisch?

Erzbischof Hans-Josef Becker:
Im Einsatz Jesu für Gerechtigkeit und Solidarität ist natürlich eine politische Dimension zu erkennen. „Ihr seid das Salz der Erde.“ (Mt 5,13) heißt
es im Matthäus-Evangelium – daran wird der gesellschaftspolitische Anspruch des Christentums ebenfalls deutlich. Auch die christliche Soziallehre, die die Gesellschaft aus einer theologisch-ethischen Perspektive bewertet, unterstreicht dies. Aber Jesus ausschließlich mit einem politischen Anspruch zu betrachten, greift zu kurz. Denn im Zentrum des Handelns Jesu stehen die Liebe zum und die Sorge um den Menschen, die in der Nächstenliebe konkret wird. Jesu Hauptanliegen ist es, Gott und den Menschen als von Gott geliebtes Geschöpf in Beziehung zu setzen.

4. Was sollte die katholische Amtskirche primär tun, um weitere Menschen zu binden und für die Lehre Jesu zu begeistern?

Erzbischof Hans-Josef Becker:
Die Begeisterung von Menschen kann keine Aufgabe alleine der „Amtskirche“ sein, denn jeder, der getauft ist, ist berufen, an der Kirche Jesu mit zu bauen. Genau hier liegt sicherlich die zentrale Herausforderung: Berufungen zu erkennen, zu fördern und so einzusetzen, dass eine lebendige Kirche entsteht, die die Frohe Botschaft Jesu verkündet. Diese Frohe Botschaft ist für sich genommen natürlich schon ein Funke mit einem ungeheuren Potenzial. Es gilt, Menschen mit diesem „Funken“ in Kontakt zu bringen, damit sie sich davon berühren und anrühren lassen. So muss das Evangelium zur Geltung
gebracht werden – im Hier und Jetzt und nah an den Menschen, ihrem Alltag, ihren Sorgen und Nöten. Dies haben wir auch im „Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn“ festgeschrieben, das ich im Herbst 2014 in Kraft gesetzt habe.

Ich bedanke mich herzlich beim Erzbischof von Paderborn und wünsche ihm viel Erfolg und Kraft auf seinem Weg im Namen Christi.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Erzbischof Hans-Josef Becker