Vier Fragen an Kreislandwirtin Bärbel Buschhaus aus Wachtendonk

Vier Fragen an Kreislandwirtin Bärbel Buschhaus aus Wachtendonk
Vier Fragen an Kreislandwirtin Bärbel Buschhaus aus Wachtendonk

Vier Fragen an Kreislandwirtin Bärbel Buschhaus aus Wachtendonk

Bärbel Buschhaus aus Wachtendonk wurde im Herbst vergangenen Jahres für sechs Jahre einstimmig in das Amt der Kreislandwirtin für den Wahlbezirk Kleve gewählt. Landwirtschaft und Naturschutz erreichen inzwischen als Diskussionsthema einen immer höheren Stellenwert. Deshalb interessierte mich die Haltung der neuen Kreislandwirtin zu den von mir gestellten Fragen. Frau Buschhaus war gerne bereit, die vier Fragen zu beantworten.

1. Frau Buschhaus, wo liegen Ihre Hauptaugenmerke in Ihrer neuen Funktion als Kreislandwirtin?

Mein Hauptaugenmerk liegt sicherlich auf der Verknüpfung der Basis, also der
Landwirte/innen und der Gärtner/innen, mit den hauptberuflichen Mitarbeitern der
Landwirtschaftskammer, um diese über Wünsche, Anregungen und Kritik, gerade auch in
Bezug auf die Aus- und Weiterbildung zu informieren.
Weiterhin möchte ich dazu beitragen, dass die gesetzlichen Aufgaben der LWK in den
Betrieben praxisnah umgesetzt werden.
Wichtig ist für mich auch eine gute Zusammenarbeit mit dem Bauernverband, dem
Gartenbau, den Landfrauen, dem Kreis Kleve und auch mit allen anderen Institutionen und Vereinen, die in irgendeiner Art und Weise Interesse bzw. Anforderungen an die
Landwirtschaft haben.

2. Naturschutz und Landwirtschaft, gemeinsam oder gegeneinander? Welche Felder gilt es hier dringend aufzuarbeiten?

Naturschutz und Landwirtschaft können nur gemeinsam funktionieren. Landwirte wollen
auch für die nächste Generation noch einen wirtschaftsfähigen Betrieb. Dies geht nur über
gesunde Fruchtfolgen und einen vernünftigen Umgang mit der Natur und den Tieren.
Die Nachhaltigkeit spielt für mich eine wichtige Rolle.
Ohne das Wissen und die Möglichkeiten der Landwirtschaft kann hingegen niemand im
größerem Stil Naturschutz betreiben. Das sehen wir am Beispiel vieler Ausgleichsflächen für Gewerbegebiete. Wenn dort keiner die Pflege übernimmt, ist der Nutzen für den Naturschutz schnell verpufft. Gemeinsam mit dem Naturschutz sollten wir uns schließlich gegen den enormen Flächenverbrauch wehren.

3. Sind Landwirte Natrurbewahrer und Naturschützer oder – wie auch behauptet wird – Naturnutzer?

Landwirte waren und sind immer schon Naturnutzer, das schließt aber Naturschutz und
Bewahren nicht aus. Schließlich ist die Kulturlandschaft hier am Niederrhein erst durch
landw. Nutzung entstanden.
Es ist sicherlich verständlich, dass es sich keiner leisten kann, das ganze Jahr über umsonst zu arbeiten und als Hobby noch Uferrandstreifen und Blühstreifen anzulegen. Nachhaltig nutzen heißt nicht ausnutzen, das würde langfristig auch nicht funktionieren.

4. Die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe ist bedroht. Wo liegt hier einiges oder vieles im Argen und wo ist dringender Handlungsbedarf auf politischer Seite?

Mir macht Angst, dass zu viele Ideologen auch in der Politik, die wenn überhaupt nur
theoretisches Wissen über landwirtschaftliche Zusammenhänge haben, den sehr gut
ausgebildeten Landwirt/innen sagen, wie sie ihr Handwerk betreiben sollen. Dabei bedenken sie aber nicht die vielfältigen betrieblichen Zusammenhänge und Folgen.
Der Strukturwandel wird weiter gehen, unsere Betriebe müssen daher ständig modernisiert werden, nur dann sind sie zukunftsfähig und es findet sich auch ein Hofnachfolger.
Landwirtschaftliche Betriebe müssen auch mit steigenden Umweltauflagen noch
wirtschaftlich arbeiten können.

Dringender politischer Handlungsbedarf besteht für mich darin, den wachsenden
Flächenverbrauch erheblich zu reduzieren, die Bürokratie abzubauen und die gesetzlichen Auflagen nicht noch weiter zu erhöhen.

Viele Betriebe können die Zukunft nur über weiteres Wachstum meistern, was in der Regel ein hohes finanzielles Risiko mit sich bringt. Hier sollte der Staat die heimische
Landwirtschaft durch eine angepasste Investitionsförderung unterstützen.

Die Politik muss auch etwas dagegen unternehmen, dass die Bodenpreise immer mehr von außerlandwirtschaftlichen Investoren hochgetrieben und Vorkaufsrechte der Landwirte untergraben werden.

Ich bedanke mich bei Frau Buschhaus, auch im Namen der Leserinnen und Leser, für ihr Mitmachen und wünsche ihr alles Gute, Gesundheit und Schaffenskraft.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Bärbel Buschhaus