Vier Fragen an Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Vier Fragen an Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Vier Fragen an Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Vier Fragen an Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Im März 2009 wurde Landesbischöfin Ilse Junkermann in dieses wichtige Amt gewählt und im August des gleichen Jahres im Magdeburger Dom in ihr Amt eingeführt. Die Bewältigung der Asyl- und Migrantenarbeit liegt ihr besonders am Herzen, hier ist die Landesbischöfin außerordentlich stark engagiert, dies ehrenamtlich. In Zeiten wachsender Armut und Ungerechtigkeiten wollte ich ihr diese vier Fragen stellen und bedanke mich ganz herzlich für die offenen Antworten.

1. Armut und soziale Schieflagen im Land greifen immer weiter um sich. Wo sehen Sie effektive Möglichkeiten, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen?

Um sie an der Wurzel zu bekämpfen, braucht es ein gutes Programm zur Teilhabegerechtigkeit für Kinder, gegen Kinderarmut. Dazu gehört auch eine gezielte Einzelförderung, auch durch Ehrenamtliche, die darin unterstützt werden. Und: Arbeit muss so bezahlt werden, dass Menschen davon leben können, der Mindestlohn ist ein erster Schritt in diese Richtung. Und ein drittes: Alleinerziehende brauchen verlässliche öffentliche Unterstützung, Kommune oder Staat holen die Beträge von den Unterhaltspflichtigen und erhöhen so die soziale Kontrolle dieser Grundverpflichtung von Eltern bzw. Elternteilen.

2. Jesus Christus war m. E. ein bedeutender Sozialreformer – sehen Sie dieses auch so? … und wo würde er heute seine Stimme erheben?

Ich sehe Jesus nicht als Sozialreformer an; er sieht vielmehr auf die Welt und die Menschen von Gottes Reich der Gerechtigkeit her; dieser Ansatz ist radikaler als eine Reform. Heute würde er z. B. an die Börsen gehen und gegen die Selbstvermehrung des Geldes predigen -und zu den Menschen in Flüchtlingslagern und Elendsvierteln.

3. Viele Grund- und Leitsätze der Bergpredigt werden heute in der modernen Zeit kaum noch praktiziert. Kann die Bergpredigt für ein Miteinander der Menschen sorgen, in dem Frieden, Nächstenliebe und Toleranz federführend sind?

Die Bergpredigt kann nicht dafür sorgen, aber sie fordert immer wieder heraus und stärkt mich, sich für Gerechtigkeit und Frieden, für Mitmenschlichkeit und Genügsamkeit einzusetzen und den Mut nicht sinken zu lassen.

4. Wo liegen die Stärken der Amtskirchen bei der Bewältigung der Flüchtlingsaufnahme?

Die sog. „Amtskirchen“ sind flächendeckend präsent, in jedem Dorf gibt es Christen und eine Infrastruktur wie Gebäude, Haupt- und Ehrenamtliche, die sich ansprechen und aktivieren lassen für tätige Nächstenliebe. V. a. halten sie den Impuls zu Barmherzigkeit und Respekt für jeden Menschen als Gottes Geschöpf wach.

Auch im Namen der Leserinnen und Leser bedanke ich mich bei Landesbischöfin Junkermann für die Teilnahme an dieser Serie und wünsche ihr viel Erfolg, große Schaffenskraft und beste Gesundheit für die Zukunft.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Ilse Junkermann