Vier Fragen an Erzbischof Dr. Stefan Heße – Erzbistum Hamburg

Vier Fragen an Erzbischof Dr. Stefan Heße - Erzbistum Hamburg
Dr. Stefan Heße, Erzbischof im Erzbistum Hamburg

Vier Fragen an Erzbischof Dr. Stefan Heße – Erzbistum Hamburg

Der 1969 in Köln geborene und heutige Erzbischof Dr. Heße empfing 1993 die Priesterweihe, war Generalvikar und Diözesianadministrator im Erzbistum Köln, bevor er vor etwa drei Jahren zum Erzbischof von Hamburg ernannt wurde.
Auch er war gerne bereit, sich meinen vier Fragen zu stellen.

1. Armut und ungerechte Entlohnung nehmen im Land von Jahr zu Jahr beängstigend zu. Wo sehen Sie effektive Möglichkeiten, hier gegenzuwirken?

Es gehört zur Würde des Menschen, selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen können. Dazu muss es ausreichend Arbeitsverhältnisse geben, in denen Menschen genug für ihren Lebensunterhalt verdienen. Die Tarifpartner sind hier immer wieder gefordert, Einkommensgerechtigkeit im Blick zu behalten und dafür einzutreten.

2. Ist die katholische Amtskirche auch eine politische Kirche, die an der Seite derer steht, die vergessen, verfolgt und benachteiligt sind und werden?

Das wollen wir immer sein, auch wenn wir hinter diesem Anspruch zurückbleiben. Im Jahr 2016 hat die katholische Kirche auf der ganzen Welt das „Jahr der Barmherzigkeit“ gefeiert. Die Werke der Barmherzigkeit sollten neu in den Blick kommen: Hungernden zu essen, Dürstenden zu trinken zu geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Gefangene und Kranke besuchen und Tote zu begraben. Es ist das eine, diese Werke der Barmherzigkeit praktisch zu tun. Das andere ist es, auch politisch für bessere und gerechtere Strukturen einzutreten. Das tun in der Kirche viele im Bereich der Entwicklungspolitik. Ich tue es, indem ich mich im Auftrag der Bischofskonferenz für die Rechte von Flüchtlingen einsetze.

3. Kann man die Bergpredigt in die heutige, schnelllebige und vom Wachstum dominierte Zeit übernehmen?

Natürlich. Es braucht nur Menschen, die sagen, diese Aussagen haben für mich eine Bedeutung und ich mache sie zur Richtschnur meines Handelns.

4. Wo würde sich heute die Persönlichkeit eines Jesus Christus in der Gesellschaft positionieren?

Jesus ist zu allen Menschen gegangen, besonders zu den Menschen, die ohne großes Ansehen an den Rändern der Gesellschaft gelebt haben. Ich denke, er würde auch heute keine Berührungsängste haben und niemanden ausgrenzen.

Ich bedanke mich bei Dr. Heße – auch im Namen vieler Leserinnen und Leser – und wünsche ihm viel Erfolg bei der Bewältigung seiner umfangreichen Aufgaben sowie optimale Schaffenskraft und Gesundheit.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Katholischer Presse- und Informationssstelle Hamburg