Vier Fragen an Drs. Ron Manheim – Kunsthistoriker, Übersetzer und Humanist

Vier Fragen an Drs. Ron Manheim - Kunsthistoriker, Übersetzer und Humanist
Vier Fragen an Drs. Ron Manheim - Kunsthistoriker, Übersetzer und Humanist

Vier Fragen an Drs. Ron Manheim – Kunsthistoriker, Übersetzer und Humanist

Ron Manheim ist für mich in erster Linie jemand, der sich für die Würde des Menschen engagiert und einsetzt, natürlich auch ein bekannter Übersetzer, ein Kunstkenner und Kunsthistoriker. Als ehem. stellvertretender künstlerischer Direktor des Museums Schloss Moyland hat er dort eine wichtige und wertvolle Arbeit geleistet.

Drs. Ron Manheim hat sich gerne bereit erklärt, an der Serie „Vier Fragen an ….“ mitzuwirken. Dafür danke ich ihm auch im Namen vieler Leserinnen und Leser.

1. Als anerkannter Kunsthistoriker kennen Sie auch „Schloss Moyland“ wie kaum ein zweiter. Was würden Sie in Moyland anders machen, anders gestalten, um mehr Menschen für die Kunst zu interessieren?

Sie werden verstehen, dass ich der derzeitigen Moyländer Museumsleitung keine öffentlichen Ratschläge geben möchte! Zu dieser ersten Frage möchte ich Ihnen nur sagen, dass ich das Potential des Museums Schloss Moyland nach wie vor für sehr groß halte. Moyland hat eine wirklich großartige Kunstsammlung, die außer den Werken von Joseph Beuys – die ich sehr bewundere!! – noch vieles
andere mehr umfasst. Die sehr umfangreiche graphische Sammlung enthält Schätze, um die manch anderes Museum den Niederrhein beneidet: Holzschnitte des deutschen Expressionismus in erstaunlicher Menge und Qualität, englische Radierungen, die vor vielen Jahren in Moyland zusammen mit geliehenen Radierungen von Rembrandt gezeigt wurden, Jugendstil-Blätter von
verführerischer künstlerischer Qualität und, und, und… Nach wie vor ist Moyland Bühne für großartige Ausstellungen. Es wurden hier immerhin schon große Präsentationen von berühmten Künstlern wie Paul Klee, Andy Warhol, Antoni Tapies, Herman de Vries oder Chillida gezeigt. Die eigene Sammlung umfasst große Werkkomplexe von Künstlern aus dem weiten Umfeld des sehr
beachtlichen Freundeskreises der Brüder van der Grinten, also viel mehr als Beuys, dessen Name allzu oft den Eindruck erweckt, es gäbe sonst nichts von Bedeutung in Moyland… Wenn irgendwann alle Querelen, die viel zu oft den Blick auf das wirklich wunderbare Ensemble Moyland mit seinen
Sammlungen, dem Schloss und dem Park verdunkeln, überwunden sind, kann dieses Museum nur eins: glänzen!

2. Für mich sind Sie ein engagierter Menschenfreund, der auf Missstände hinweist, auf Menschlichkeit drängt. Wo ist dort in unserer Gesellschaft dringender Handlungsbedarf?

Ach, wie kann man das alles aufzählen? Handlungsbedarf gibt es, wohin man schaut! Viele Menschen scheinen vergessen zu haben, dass man für andere da ist. Mensch sein = Mitmensch sein. Und allzu oft wird das au das kleinste Umfeld beschränkt, auf die Familienmitglieder, und auch da fehlt oft die Bereitschaft, einfach selbstlos für andere da zu sein. Dabei macht es das Leben so viel reicher! Wenn ich am Markt an der Linde mit einem Alkoholabhängigen spreche und seine Freude spüren, ernst genommen zu werden, dann freue ich mich und bereichere mein Blickfeld. Gehe ich durch die Fußgängerzone, dann sehe ich so viele geschlossene Gesichter, sogar düster oder verbissen. Manchmal gelingt es mir, mit einem freundlichen Lächeln Ähnliches hervorzurufen. Eine schöne
Erfahrung, die auch mir gut tut! Wir sollten wieder lernen, dass es im alltäglichen Leben nicht darauf ankommt, all unsere Kurzzeitbedürfnisse schnell befriedigt zu bekommen…

3. Wie man weiß, lieben Sie den Niederrhein und Kleve. Was macht diese Gegend und diese Menschen hier so anziehend?

Na ja, lieben? Ich lebe eben gerne hier! Nette Freunde, schöne Umgebung und… die Niederlande sind nicht weit weg! Kleve ist eine wunderbare Stadt! Abgesehen von den noch vorhandenen historischen Strukturen findet man hier einen unvergleichbaren Reichtum an kulturellen Initiativen und Angeboten!

4. In Deutschland verzeichnen wir ein starkes Anwachsen rechter und rechtsradikaler Kräfte. Macht Ihnen das große Sorge und …. wie kann man dies verhindern?

Ja klar, die Sorge ist mein täglicher Begleiter! Wir sollten immer wieder daran denken, dass jeder Mensch zählt, auch der hier gelandete Eritreer, die mutige Syrerin, der einsame Afghane … alle brauchen in erster Linie Freundlichkeit, menschliche Anerkennung und dann natürlich auch Hilfe. Wir sollten uns wehren gegen üble Vorurteile! Handgreifliche Nordafrikaner auf der Domplatte in Köln?
Ja, aber nicht alle Nordafrikaner! Und was ist mit den unzählbaren Missbrauchsfällen in deutschen Familien? Und wer fliegt denn in den „Sexurlaub“ im fernen Osten? Nein, schlechte Triebe findet man überall, nationale Überheblichkeit ist lächerlich! Ach, über die Verbreitung dummer Vorurteile könnten wir doch Stunden miteinander reden!!!
Ich Kleve versuche ich zu diesem Problemgebiet meinen Beitrag zu liefern durch die Arbeit mit dem „Haus Mifgash“. Wir arbeiten an einem bleibenden Zentrum für Begegnung und gegenseitigen Respekt, gegen Vorurteile und Diskriminierung, einfach hier vor Ort! Da kann jeder mitmachen.

Wer sich intensiv für die Arbeit von Drs. Ron Manheim interessiert und sich engagieren möchte, kann sich hier umfangreich informieren: http://mifgash.de/

Ich wünsche Drs. Ron Manheim weiterhin viel Erfolg, Gesundheit und Kraft bei seinen so wichtigen Aufgaben.

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Ron Manheim