Vier Fragen an Claudia Schmidt, Heilpraktikerin (Psychotherapie)

Vier Fragen an Claudia Schmidt, Heilpraktikerin (Psychotherapie), Hypnosetherapeutin und Diplompädagogin
Vier Fragen an Claudia Schmidt, Heilpraktikerin (Psychotherapie), Hypnosetherapeutin und Diplompädagogin

Vier Fragen an Claudia Schmidt, Heilpraktikerin (Psychotherapie), Hypnosetherapeutin und Diplompädagogin

Die starke Zunahme von psychischen Erkrankungen ist oft Gesprächs- und Diskussionsstoff in der heutigen Zeit. Viele erkrankte Menschen sind jung und haben erst ein Lebensalter von unter dreißig Jahren. Lebenskrisen, beruflicher Stress wie Mobbing und Schicksalsschläge sind oft die Auslöser.

Für meine Serie wollte ich eine Expertin auf diesem Gebiet zu dieser Problematik befragen. Frau Claudia Schmidt, die sich in ihrer Praxis in Rees am Rhein mit dieser Thematik auseinandersetzt und hier erfolgreich behandelt, war gerne bereit, sich meinen „Vier Fragen“ zu stellen. Die Therapeutin hat sehr ausführlich geantwortet, für mich sehr interessant, hoch informativ und sehr gut nachvollziehbar.

1. In einer Zeit steigenden Drucks im Arbeitsleben, wie auch im Privatleben der Menschen nehmen die seelischen Erkrankungen stark zu. Wo sehen Sie die Hauptgründe?

Ängste und der meiste ungesunde Stress entstehen durch Bewertungen und Beurteilungen und selten durch die Wahrnehmung der realen Situation. „Angst“ als Gefühl ist zunächst hilfreich, da sie uns vor Gefahren warnen soll. Angst als Dauerstress vor allem Möglichen ist jedoch krankmachend. Hier spielen natürlich auch die Medien eine Rolle und deren Gebrauch. Wir können nämlich nicht anders, als auf Bilder und Schilderungen von Katastrophen, Kriegen, Gewalt, Terror u.a. mit Stress zu reagieren. Und zwar jedes Mal, auch wenn uns die Nachrichten bereits bekannt waren. Durch die Informationsflut z.B. des ständigen online seins kommt unser System aus dem Gleichgewicht. Darüber hinaus können wir unsere Gefühle und Bedürfnisse nicht mehr richtig wahrnehmen. Wenn wir uns nicht davor schützen, permanent Stressbotschaften in uns aufzunehmen, dann stehen unser Körper und unsere Seele unter Dauerfeuer. Viele Menschen stecken in dieser Dauerschleife aus Angst vor dem Fremden und der eigenen Zukunft fest. Wir sind hauptsächlich mit Denken, Beurteilen und der Außenwelt beschäftigt. Folge ist ein Lebensgefühl der Fremdbestimmung und damit ein Mangel an Selbstwirksamkeit. Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Selbstwertminderung, Schlafstörungen. Ständiges Grübeln und ein Gefühl der Leere können Folgen hiervon sein. Der Arzt diagnostiziert dann eine Erkrankung im Bereich der Depression.

2. Seelische Erkrankungen führen auch zu körperlichen Beschwerden. Kann man beide erfolgreich heilen?

Körper und Seele sind eine Einheit. Kaum ein Mediziner würde dies heute noch bestreiten. Die Zusammenhänge erschließen sich allmählich und dieser Ansatz ist in vielen Kliniken für Psychosomatik bereits verwirklicht. Psychosomatik kommt aus dem griechischen, „Psyche“ für Seele und „Soma“ für Körper. Psychosomatik ist inzwischen ein eigener Bereich in Forschung und Lehre. Seele oder Körper stehen praktisch in einem Wechselspiel. Wenn wir Schmerzen haben, schlägt sich das auf unsere Stimmung nieder. Wir werden gereizt oder niedergeschlagen. Umgekehrt wirken sich Gefühle auf unsere körperliche Verfassung aus. Wenn wir ängstlich sind, sprechen wir mit gedämpfter Stimme und unsere Atmung ist flach, wenn wir gerührt sich, laufen uns schon mal Tränen. In der Psychosomatik ist das Zusammenspiel vom Seele und Körper bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen als Grundlage bereits medizinisch bestätigt. Herzinfarkt, Darmerkrankungen, Neurodermitis, Asthma, Rheuma, Schilddrüsenerkrankungen werden bereits seit vielen Jahren als Folge von psychischen Konflikten anerkannt. Als Ursache wird ein unbewusster Konflikt
angenommen. Er kann z.B. aus unbefriedigten Bedürfnissen bestehen. Ein Beispiel wäre unterdrückte und nicht ausgelebte Aggression. Das Nervensystem ist praktisch ständig überreizt. Folgen können Entzündungen der Darm- oder Magenwand, Bluthochdruck oder auch rheumatische Erkrankungen sein. Mit einer fachlichen guten Psychotherapie können viele dieser Erkrankungen gut behandelt und die Symptome und Auswirkungen verbessert werden. Die verdrängten Konflikte werden in der Psychotherapie aufgedeckt, die Gefühle bewusst empfunden und durchgearbeitet. D.h. im Fall der unterdrückten Aggression wird ein geschützter therapeutischer Rahmen benötigt, in dem der Klient seiner Aggression Ausdruck verleihen kann und darf. Ziel der Psychotherapie ist ein gesunder Kontakt sowohl zu sich selbst, als auch zu anderen Menschen.

3. Mobbing gehört heute fast zur Alltäglichkeit – wo sehen Sie erfolgreiche Ansatzpunkte gegen Mobbing?

Mobbing hat sehr häufig mit unbewussten Ängsten des Mobbenden selbst zu tun. Der Mobbende hat z.B. Angst, den Freund oder Partner zu verlieren und bringt Unwahrheiten über eine Person in Umlauf oder ein Mitarbeiter mobbt einen Kollegen, weil er dessen Konkurrenz fürchtet. Auch Chefs mobben ihre Mitarbeiter aus ähnlichen Gründen.
Mangelndes Selbstwertgefühl auf der einen Seite und fehlende Empathie auf der anderen, sind hier die häufigsten Gründe. Es wird praktisch Macht über eine andere Person ausgeübt, um die eigene Unsicherheit zu überdecken. Dieses Verhalten ist zum Teil oft unbewusst. Helfen könnten im Bereich der Arbeitswelt eine Rücknahme oder zumindest Entschärfung der Hartz4-Reform. Seit der Zusammenlegung der Sozialhilfe und der Arbeitslosenhilfe stieg der Druck auf die Beschäftigten enorm an. Ängste um Arbeitsplatzverlust und sozialem Abstieg verschärften schon unmittelbar zu Beginn der Reform das Arbeitsklima in den Betrieben. MitarbeiterInnen haben seitdem nicht nur verstärkt Angst sich zu organisieren und für Ihre Arbeitsrechte einzutreten, sie sind auch vorsichtiger und zurückhaltender untereinander und sehen sich stärker, als zuvor, in einem
Konkurrenzverhältnis. Auch wenn die Reform nun schon lange besteht und die Menschen sich daran gewöhnt haben, so heißt das nicht, dass die berechtigten Ängste uns heute nicht mehr belasten. Diese Beobachtungen stütze ich auf eigene Erfahrungen und vertrauliche Gespräche während meiner Betriebsratsarbeit in einem Unternehmen der Erwachsenenbildung. Mobbing im privaten Bereich ist meiner Meinung nach mit einer Förderung und Therapie beider Seiten der Beteiligten zu begegnen. Hier spielten die eingangs beschriebenen Ursachen von Entfremdung und Selbstvertrauen, die sich in zunehmenden Ängsten und Stresserkrankungen zeigen, aus meiner Sicht ebenso eine wichtige Rolle.

4. Ängste und deren Folgen auch mit Hypnose begegnen und einschränken bzw. heilen – wo setzten Sie dort an und …. Kann man mit ZEN und dem Buddhismus hier hilfreich sein?

Achtsamkeitsübungen können uns helfen, uns wieder deutlicher wahrzunehmen. Es ist eine absichtslose Konzentration auf mich und meine Handlungen, die mir hilft, wieder im Hier und Jetzt zu sein. Denn nur zu diesem Zeitpunkt findet unser Leben wirklich statt. Ängste und Befürchtungen sind immer auf die Zukunft ausgerichtet. Schuld und Scham kann uns nur beschäftigen, wenn wir uns mit unserer Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit beziehen. Der Begriff „Achtsamkeit“ kommt aus dem Buddhismus. Mit Hilfe von Meditation und verschiedenen Übungen hilft Zen, Zugang zu den eigenen Bedürfnissen zu bekommen. Tiefe Erfahrungen von dem, wer wir eigentlich sind und was uns in unserem Leben wirklich wichtig ist, führen zu einem zufriedenen und stressfreien Leben. Der Mensch wird in seinem Grundgefühl, der Freude und des Vertrauens unabhängig von den Gegebenheiten der Außenwelt. Hypnose hilft Kontakt zu sich und seinen Gefühlen zu bekommen. Die Wahrnehmung des Körpers über die Sinnesorgane: Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken werden in der Hypnose vertieft und der Klient befindet sich schließlich in eine Trance. Während der Trance arbeitet der Therapeut gemeinsam mit dem Klienten an dessen Problematik. In der Hypnosetherapie gelangen wir wieder zu uns und unseren tiefsten Empfindungen, zu dem ist das Unterbewusstsein leichter zugänglich. Wir sind uns nur zu einem kleinen Teil – ca. 10% – bewusst, der Rest von uns ist unbewusst. In der Psychotherapie ist die Kunst des Therapeuten, Lösungen des Klienten für seine Probleme z.B. durch professionelle Fragen auszuarbeiten und im Bewusstsein des Klienten zu integrieren. In der Hypnose wird dies durch die Trance einfacher und wirkungsvoller. Stresserzeugende Vorstellungen können verändert und Lösungen direkt visualisiert und als neue Erfahrung abgespeichert werden. Probleme können kleiner, unschärfer gestellt oder ganz gelöscht werden. Meiner Meinung nach kann sowohl Zen/buddhistische Lehren, als auch Hypnose helfen, ein Lebensgefühl des Vertrauens und der Zuversicht zu bewahren und in unserer Zeit psychisch gesund zu bleiben, oder wieder zu werden.

Ich bedanke mich herzlich bei Claudia Schmidt, auch im Namen vieler Leserinnen und Leser. Wer sich noch intensiver mit dieser Problematik beschäftigen möchte, dem empfehle ich diese Website:

https://www.praevention-psychotherapie.de/

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Claudia Schmidt