Stadtarchiv Krefeld hat Zeitungen seit dem Jahr 1799 im Bestand

Stadtarchiv Krefeld hat Zeitungen seit dem Jahr 1799 im Bestand
Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs Krefeld, im Zeitungsbestand des Hauses. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Stadtarchiv Krefeld hat Zeitungen seit dem Jahr 1799 im Bestand

„Iris vom Niederrheine“ wurde von einem hiesigen Drucker verlegt

Der Herzog von Württemberg hat seinen Sohn, den Erbprinzen, verhaften lassen. Bis Mitternacht verhörten der Herzog und sein Ministerium den jungen Mann, der anschließend im Schloss in einem Zimmer bewacht wurde. „Man versichert, dass der Prinz die Absicht hatte, insgeheim an einen gewissen Hof zu gehen, mit dem er in Verbindung stehen soll, der dem Interesse des regierenden Herzogs entgegen sind“, konnten die Leser in der Zeitung „Iris vom Niederrheine“ am 3. Januar 1799 lesen. Zum ersten Mal lasen die Krefelder solche Neuigkeiten in einer regelmäßig erscheinenden Zeitung, die in ihrer Stadt gedruckt wurde. Die Nummer 6 mit der befremdlichen Nachricht aus dem fernen Württemberg gehört zu den ältesten Ausgaben im Bestand des Stadtarchivs.

Zeitungssammlungen bilden inzwischen eine wichtige historische Quelle, besonders wenn andere Zeitdokumente einer Epoche vernichtet worden sind. Einen solchen Verlust hat das Stadtarchiv Krefeld während des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff 1943 erlitten. „So können Zeitungen eine Art der Ersatzüberlieferung sein“, sagt Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs. Im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutschen Nation erschienen die ersten Wochenzeitungen Anfang des 17. Jahrhunderts, die ersten Tageszeitungen um 1650. Zu den ältesten zählt der „Hamburger unabhängige Korrespondent“ (ab 1724), der um 1780 bereits eine Auflage von rund 20 000 Exemplaren erreichte. In Krefeld mussten sich die Leser zunächst mit Zeitungen aus Köln begnügen. „Damals gab es hier kein nennenswertes Buch- und Verlagswesen“, erklärt Richter. Ein Buchhändler wird um 1760, ein Drucker um 1780 erwähnt.

Im Juli 1787 veröffentlichte ein hiesiger Lehrer die pädagogische Monatsschrift „Der Familienfreund“ (bis 1789). „In der französischen Besatzungszeit gab es dann den ersten Ansatz für ein Zeitungswesen in Krefeld“, so Richter. Im neuen französischen Department Roer erhielt Krefeld den Rang einer Arrondissement-Hauptstadt. Der Verleger und Drucker Peter Schüller stellte dort ab 1799 die „Iris vom Niederrheine“ her. Mit diesem Jahr beginnt auch der Zeitungsbestand des Stadtarchivs. „Die Iris hat freiwillig die Interessen der Franzosen vertreten“, schildert der Archivleiter. Mit der Zeitung mit geringem Umfang verbreitete Schüller deren Ideen in der Stadt. Die uneingeschränkte Meinungshoheit der Seidenhändler wurde so zurückgedrängt. Krefelder Bürger wie der Aufklärer Engelbert vom Bruck (1739 bis 1813) und der Arzt Dr. Johann Gotthard Lorenz von Pempelfurt (1733 bis 1812) schrieben für das Blatt. Die „aktuellen Nachrichten“ kamen in Form anderer Zeitungen meist via Schiff in die Stadt. Fror der Strom im Winter zu, gelangten die Meldungen auch nicht mehr nach Krefeld und der Seitenumfang des Blattes reduzierte sich.

Die letzte Ausgabe der Iris erschien zwar im Sommer 1800, doch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verlegte die Familie Schüller fast ohne Unterbrechung diverse Zeitungstitel. Witwe Schüller gab ab 1807 das „Crefelder Wochenblatt“ heraus. „Dort waren lokale Themen stark vertreten“, berichtet Richter. In der Zeitung wurde durchaus Kritik am Krefelder Schulwesen oder dem Zustand des Gefängnisses geübt. Der populäre Ton und kuriose Weltnachrichten erhöhten die Auflage. So berichtete die Zeitung am 22. Januar 1807 von einem Elefanten in Ostindien. Dieser sei durch eine Kanonenkugel verletzt worden. Nachdem er zwei-, dreimal zur Behandlung in ein Spital geführte wurde, um die Fleischwunde behandeln zu lassen, ging er dann alleine dorthin. „Der Elefant ward völlig wieder hergestellt“, so das Crefelder Wochenblatt.

Quelle: Stadt Krefeld
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken