Pianola erklingt wieder im Jagdschloss in Krefeld

Museum Burg Linn: Pianola erklingt wieder im Jagdschloss in Krefeld
Museum Burg Linn: Pianola erklingt wieder im Jagdschloss in Krefeld

Museum Burg Linn: Pianola erklingt wieder im Jagdschloss in Krefeld

Linner Nachtwächter ermöglicht Restaurierung eines mechanischen Instruments

Das Hören von Musik ist heute selbstverständlich und alltäglich. Auf digitalen Datenträgern kann man überall auf seine Lieblingslieder zugreifen. Wer jedoch vor 200 Jahren Musik hören wollte, musste selbst musizieren oder in ein Konzert gehen. Das wandelte sich erst mit der Erfindung von mechanischen Musikinstrumenten. Das Bedürfnis nach Musik wurde mit diesen Automaten für viele Menschen erfüllt. Das Museum Burg Linn in Krefeld ist eines der wenigen deutschen Museen, das über eine öffentlich zugängliche Sammlung derartiger mechanischer Musikinstrumente verfügt. In den vergangenen Monaten wurde der Musikraum komplett saniert und mit einer „Pianola“ wurde nun ein erster Automat restauriert. Der Linner Nachtwächter Heinz Peter Beurskens hat diese Arbeiten finanziert. Dafür hat er dem Verein Freunde der Museen Burg Linn Geld überlassen, das er mit seinen beliebten Führungen durch die Altstadt und in der Burg einnahm. Dabei handelt es sich nicht um die erste Spende von Beurskens. „Das ist für uns eine erhebliche Unterstützung durch den Nachtwächter. So konnten wir in den vergangenen Jahren immer wieder viele Dinge anschaffen“, dankte Museumsleiter Dr. Christoph Reichmann.

Den Anfang der mechanischen Musikinstrumente bildeten Spieluhren im 18. Jahrhundert. Musikautomaten wie das Pianola waren vor gut 150 Jahren die MP3- Player. In zahlreichen Haushalten und Gaststätten standen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ähnliche Musikinstrumente und spielten die Schlager ihrer Zeit. In und um Leipzig konzentrierte sich im Deutschen Reich deren Produktion. Tausende Menschen arbeiteten in Werken oder als Zulieferer. „Und es wurden von

solchen Automaten Hunderttausende gebaut“, sagt Restaurator Jörg Borchardt. Die Handhabung war sogar ein Ausbildungsberuf. Das Abspielen der Geräte konnte der „Pianist“ variieren, zum Beispiel in der Geschwindigkeit.

Borchardt gehört weltweit zu den wenigen seines Berufstandes, der solche Musikinstrument überhaupt noch reparieren und restaurieren kann. Seine Auftraggeber stammen aus Japan, Mexiko, den USA und Europa. Eine spezielle Ausbildung existiere nicht, vieles habe er sich selbst angeeignet. „Man muss vor allem Spaß an den Automaten haben“, sagt der Restaurator aus Rüdesheim am Rhein. Zwischen sechs und acht Wochen benötigte er für das Krefelder Pianola, Baujahr 1929. Es wird über einen Blasebalg über Pedale angetrieben und besitzt eine Papierrolle mit Lochsteuerung, die die Melodie enthält: ein Loch entspricht einem Ton. Das Pianola kann aber auch, wie bei diesen Instrumenten üblich, ohne Automatik und Blasebalg ganz normal wie ein Klavier gespielt werden. Es gehörte zu den ersten Musikinstrumenten, die bei der Einrichtung des Raumes Mitte der 1980er-Jahre schon zum Bestand zählten. Seitdem war es unermüdlich im Einsatz. Nun war der Verschleiß so groß, dass eine Restaurierung notwendig wurde. Borchardt erneuerte Schläuche, Dichtungen, kleine und große Blasebalge. „Es ist ein hoher Zeit- und eher weniger Materialeinsatz“, so der Restaurator. Denn die faszinierende Mechanik muss aufwändig freigelegt werden.

In den 1930er- und 1940er-Jahren endete die Ära der mechanischen Musikinstrumente. Die meisten wurden entsorgt, erst in den 1950er-Jahren fanden sich erste Sammler. „Es gab kaum Museen, die solche Automaten aufnahmen“, sagt Rainer Scharl, von der Sammlung Jacobi in Köln, der sich auch um die Krefelder Sammlung kümmert. Viele Einrichtungen scheuten die Folgekosten durch den Verschleiß der Instrumente. Im Museum Burg Linn befanden sich schon vor der Einrichtung des Musikzimmers einige Automaten im Bestand. Weil der Raum im Jagdschloss nicht mehr für die Verwaltung gebaucht wurde, konnte dort ein Themenzimmer eingerichtet werden. „Die Besucher schauen sich die Musikinstrumente genau an und sie kommen dann darauf, wie sie funktionieren, eine begreifbare Mechanik. So kommen wir mit ihnen ins Gespräch und leiten sie so in einer andere Zeit“, berichtet Scharl. Die regelmäßige Vorführung der mechanischen Musikinstrumente an Sonntagen war stets ein Besuchermagnet. Doch inzwischen hat sich der Kreis der ehrenamtlichen Führer auf nur noch drei Mitglieder reduziert. „Wir suchen nun Mitstreiter, die die Vorführung wieder ermöglichen“, so Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter.

Bildunterschrift: Der Linner Nachtwächter Heinz Peter Beurskens, Restaurator Jörg Borchardt, Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter, und Heide Gerritzen, Vorsitzende des Vereins Freunde der Museen Burg Linn. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Foto: Stadt Krefeld
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