Neu gestaltete Schiffshalle im Archäologischen Museum Krefeld

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Neu gestaltete Schiffshalle im Archäologischen Museum Krefeld
Eileen Wolff, Christoph Dautermann, Hans Peter Schletter und Jennifer Morscheiser (v.l.) stellen im Archäologischen Museum Krefeld die umgestaltete Schiffshalle vor. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Neu gestaltete Schiffshalle im Archäologischen Museum Krefeld

Präsentation mit neuen Schriftfahnen, Funden, Bildern und Fotografien

Der Krefelder Hafen dient seit 2000 Jahren als Umschlagsplatz für Waren aus aller Welt. In der neu gestalteten Schiffshalle im Archäologischen Museum Krefeld können sich Besucher nun erstmals über die Entwicklung des Hafens als Fernhandelsort von der Römerzeit bis in die Gegenwart informieren. Die Eröffnung der umgestalteten Schiffshalle findet am Freitag, 10. Februar, um 19 Uhr unter anderem mit den Shanty-Chor Linn statt. Für Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser und ihr Team ist es der erste große Umbau innerhalb der Dauerausstellung seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Herbst: Ein neues Wandbild vermittelt einen lebhaften Eindruck vom Hafen im römsichen Gelduba. Gemälde und Fotografie zeigen das Areal im 20. Jahrhundert. Von einem Podest haben Besucher künftig einen direkten Blick auf den Frachtkahn aus dem Mittelalter. Daneben werden auch die Funde präsentiert, die in den 1970er-Jahren direkt am Schiff entdeckt wurden.

Der Hafen hat bis heute seine Bedeutung für die Entwicklung Krefelds nicht verloren. Bereits zur Zeit der Römer bildete das Kastell Gelduba, das im Jahr 2020 als Teil des Niedergermanischen Limes als Welterbe eingetragen werden soll, mit seiner zivilen Siedlung einen wichtigen Handelsstützpunkt. Auf der rechtsrheinischen Seite begann zudem der Hellweg, die wichtigste Handelsroute nach Germanien. „Austern aus der Biskaya, Wein aus Griechenland, Olivenöl aus Spanien, Bernstein von der Ostsee, Salz vom Hellweg – der Hafen von Gelduba ist der Punkt, wo alles verkauft und weiter verhandelt wurde“, so Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser. Zahlreiche ausgestellte Museumsfunde belegen diese Bedeutung. Zudem können die Besucher Exponate aus zwei Privatsammlungen sehen. Diese entstanden Anfang der 1970er-Jahre mit dem Hafenausbau. Solche Sammlungen kamen zustande, weil während der Bauarbeiten noch kein Denkmalschutzgesetz existierte und zahlreiche Sammler römische Münzen und vieles mehr dort entdeckten. Auch dieser Aspekt wird in der Ausstellung thematisiert.

Bei diesem Ausbau wurden drei Schiffe beziehungsweise Teile davon gefunden. Zwei Objekte befinden sich in einem Bremerhavener Museum, das größte erhaltene Schiff aus den Jahren um 800 bildet die Hauptattraktion in der Schiffhalle. „Mittelalterliche Schiffe dieser Zeit sind extrem selten. Aus dieser Zeit kenne ich nur vier Schiffe und eines haben wir hier in Krefeld“, sagt Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter. Das gut 13 Meter lange und drei Meter breite Schiff aus Eichenholz konnte aufgrund seiner flachen Konstruktion problemlos am Rheinufer anlanden. An der Zusammensetzung des Frachtkahns hat Restauratorin Eileen Wolff maßgeblich gearbeitet. Alleine die Konservierung der Holzelemente habe mehrere Jahrzehnte gedauert. „Daran erinnern sich immer noch viele Besucher“, so Wolff. Denn die Teile lagerten in unmittelbarer Nähe des Museums. Diese Geschichte wird ebenfalls in der Ausstellung erzählt.

Der thematische Sprung in das 19. und 20. Jahrhundert gelingt unter anderem durch eine „Petersburger Hängung“ von Fotografien und Gemälden. Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter, stellte diese zusammen. Die Bilddokumente stammen allesamt aus dem eigenen Depot und werden nur selten präsentiert. Erstmals zeigt das Haus dabei ein Bild des Krefelder Malers Hans Dohm mit einer Hafenszene. Die Betrachtung von der Römerzeit über das Mittelalter und der frühen Neuzeit endet mit dem Krefelder Hafen in der Gegenwart. Die einzelnen Zeitabschnitte sowie wichtige Ereignisse werden auf diversen Schriftfahnen erläutert. Wesentliche Funde und Modelle ergänzen die neue Präsentation. Für Kinder gibt es dort ab sofort auch zwei Spiele: „Schiffe finden“ ist eine Suche im gesamten Ausstellungsraum und auf dem Wandbild von Dr. Boris Burandt, Archäologe aus Köln, hat sich die „Wanderratte“, zurzeit der besondere Funde im Welterbe-Infopoint an der Rheinbabenstraße, aus dem Kastell Gelduba versteckt.

Weitere Informationen stehen unter www.museumburglinn.de.