Nächtliche Gaststättenkontrolle in Viersen

0
490
Nächtliche Gaststättenkontrolle in Viersen
Nächtliche Gaststättenkontrolle in Viersen

Nächtliche Gaststättenkontrolle in Viersen

Werbung[the_ad id=“3226″]

Wer sich andie Regeln hält, darf nicht das Nachsehen haben

Samstagmorgen, 4.45 Uhr: Ein gutes Dutzend Frauen und Männer versammelt sich in der Polizeiwache an der Lindenstraße. Die eine Hälfte Polizisten, die andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes. Draußen ist es noch dunkel, bald ist es die richtige Zeit, um zu einem gemeinsamen Kneipenbesuch aufzubrechen. Ab 5 Uhr gilt für die Gaststätten nicht nur das Rauchverbot, sondern auch die Sperrzeit: Die sogenannte Putzstunde von 5 bis 6 Uhr ist als letzter Rest noch geblieben. 60 Minuten, in denen sowohl das Nachtlokal (schon) als auch das Frühstückscafé (noch) die Türen schließen müssen.

Samstagmorgen, 5.00 Uhr: Die Einsatzbesprechung ist zu Ende. Mit vier Autos wird es auf den Weg gehen. Ein Streifenwagen und zwei Fahrzeuge des Ordnungsamtes werden vor dem ausgewählten Lokal stoppen. Der zweite Streifenwagen sichert den Notausgang auf der Rückseite des Häuserblocks ab. Die Besatzung eines dritten Streifenwagens hält sich im Hintergrund, stets bereits, im Fall des Falles einzugreifen. Unterwegs geht es an einer hell erleuchteten Gaststätte vorbei. „Da waren wir schon öfter“, erzählt ein Mitarbeiter der Stadt, „aber da haben wir um diese Zeit immer nur Taxifahrer wissen natürlich, wo um diese Zeit wenn überhaupt noch Fahrgäste zu erwarten sind. Als klar wird, dass die Polizei nicht kommt, um Meinungsverschiedenheiten unter den Gästen zu schlichten, sondern dass hier eine Razzia stattfindet, verschwinden die Transporteure. Das kann dauern. Schon deshalb, weil im Lokal noch 15 Gäste stehen und sitzen. Und die werden jetzt alle erfasst und fotografiert, ebenso wie die brennenden Zigaretten in den vollen Aschenbechern und die noch nicht bezahlten Deckel.

Samstagmorgen, 5.30 Uhr: „Die Frauen sind meistens die Schlimmsten“, sagt eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, während zwei Polizisten eine Dame vor die Tür begleiten, die laut krakelt, sie kenne ihre Rechte und werde darum weder ihre Personalien angeben noch habe sie die Absicht, zu akzeptieren, dass die Kneipe jedenfalls für diese Nacht geschlossen sei. Die frische Luft draußen muss ihr gut getan haben, denn als sie wieder in den vom inzwischen kalten Rauch vernebelten Gastraum eintritt, geht alles ganz einfach. Die Stimmung ist zwar immer noch gereizt, keiner der Kneipenbesucher macht den Eindruck, auch nur im Ansatz nüchtern zu sein. Aber sobald es lauter zu werden droht, geht ein Polizist mit klarer Ansprache dazwischen.

Samstagmorgen, 5.45 Uhr: Die Party ist aus, alle Gäste erfasst, die Wirtsfrau erhält schon mal einen Hinweis auf die wesentlichen festgestellten Verstöße. Die kennt sie sowieso, genau wie ihr gewiefter Anwalt, der bislang noch fast immer die Vorwürfe irgendwie wegargumentieren konnte. „Wir müssen alles genau dokumentieren, auch Fotos sind vor Gericht sehr hilfreich“, sagt ein Mann vom Ordnungsamt. „Sonst heißt es hinterher, wir müssten uns verguckt haben, das seien Frikadellen gewesen, keine Zigaretten.“ Das sei so ähnlich wie bei den Beschwerden der Nachbarn über Lärm bis in den Morgen hinein. Der Nachweis, dass jemand, der sich auf dem Gehweg die Getränke der langen Nacht noch einmal durch den Kopf gehen lässt, genau aus dieser einen Gastwirtschaft kam, ist nicht einfach.

Samstagmorgen, 6.00 Uhr: Der Einsatz ist zu Ende. Man fragt sich, ob früher, als noch offiziell in der Kneipe geraucht werden durfte, die Klamotten auch so gestunken haben wie nach dieser guten halben Stunde in der Räucherhöhle. Polizei und Ordnungsamt sind zufrieden mit dem insgesamt friedlichen Ablauf. „Es sind nicht nur die Beschwerden der Anwohner, die uns eingreifen lassen“, sagen die Ordnungshüter. „Es geht auch um die Gastwirte, die sich an Recht und Gesetz halten, das Rauchen im Lokal unterbinden und pünktlich die Türe abschließen.“ Denn die klagen darüber, dass die Gäste wegbleiben, „weil man sich woanders nicht so anstellt“. Es wird also nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man sich zum gemeinsamen Kneipenbesuch verabredet.

Die im Bild erkennbaren Gaststätten waren NICHT Gegenstand der Gaststättenkontrolle. 

Foto: Stadt Viersen