Museum Burg Linn: Gemälde von Kölner Kurfürsten wird restauriert

Museum Burg Linn: Gemälde von Kölner Kurfürsten wird restauriert
Museum Burg Linn: Gemälde von Kölner Kurfürsten wird restauriert

Museum Burg Linn: Gemälde von Kölner Kurfürsten wird restauriert

„Maßlos eitel und verschwenderisch, befand sich Joseph Clemens stets in Geldverlegenheiten; seine Untertanen hatten schwer dabei zu leiden“, urteilt harsch der Brockhaus noch im Jahr 1908 über die Amtstauglichkeit des Kurfürsten von Köln. Joseph Clemens von Bayern, geboren am 5. Dezember 1671 in München, wollte denn auch lieber Soldat als Kurfürst werden. Seiner Wahl zum Landesherrn (1688 bis 1723) mit gerade mal 17 Jahren soll er angeblich nur zugestimmt haben, weil er im Kurfürstentum über Truppen verfügen konnte. Zurzeit wird ein Gemälde mit seinem Konterfei aus dem 18. Jahrhundert restauriert, das sonst im Jagdschloss des Museums Burg Linn in Krefeld ausgestellt wird. Die Restaurierung wird durch eine Spendenaktion der Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt und durch die „Freunde der Museen Burg Linn“ ermöglicht.

Freuen sich, dass der Kurfürst bald wieder erstrahlt: (v.l.): Restauratorin Julia Dauksza, Heide Gerritzen, Vorsitzende der Freunde der Museen Burg, Restauratorin Maria Gembala-Dauksza, Dr. Christoph Reichmann, Leiter Museum Burg Linn, Melanie Teeuwen und Alexander Raitz von Frentz von der AG Flachsmarkt. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Freuen sich, dass der Kurfürst bald wieder erstrahlt: (v.l.): Restauratorin Julia Dauksza, Heide Gerritzen, Vorsitzende der Freunde der Museen Burg, Restauratorin Maria Gembala-Dauksza, Dr. Christoph Reichmann, Leiter Museum Burg Linn, Melanie Teeuwen und Alexander Raitz von Frentz von der AG Flachsmarkt. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Die heutigen Krefelder Stadtteile Uerdingen und Linn gehörten im 17. und 18. Jahrhundert zu Kurköln

Die heutigen Krefelder Stadtteile Uerdingen und Linn gehörten im 17. und 18. Jahrhundert zu Kurköln, dem weltlichen Herrschaftsgebiet der Erzbischöfe und Kurfürsten von Köln. Bonn war seit 1597 Haupt- und Residenzstadt. Wegen der reich mit Wild bestückten Wälder kamen verschiedene Kölner Kurfürsten gerne zur Jagd nach Linn und frönten dort ihren weltlichen Freuden. Sie und ihr Gefolge quartierten sich jedoch nicht auf der alten Burg Linn, sondern immer in Uerdingen ein.Joseph Clemens von Bayern aus dem Haus der Wittelsbacher wurde bereits 1685 Bischof von Freising und Regensburg. Den jugendlichen Adligen trieb hier weniger ein persönlicher Karriereehrgeiz als vielmehr die Hauspolitik der Wittelsbacher in das ein oder andere geistliche Amt, mit denen auch weltliche Macht verbunden war. Von der Last mehrerer „kirchlicher Würden“ bedrückt bat er einmal seinen Bruder, Maximilian Emanuel von Bayern, um mehr Freiraum für sich und seine Bedürfnisse. Doch der Bayernherzog antwortete ihm nur, er solle anständig leben und ansonsten die kindlichen Gedanken fallen lassen.

Die Kölner Kurfürsten sind in Serie gemalt worden

Von der vermeintlichen Last seiner geistlichen Ämter ist auf dem Gemälde im Jagdschloss nichts zu erahnen. „Die Kölner Kurfürsten sind in Serie gemalt worden“, erklärt Dr. Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn. Sie dienten zudem Zeitgenossen als Vorlage für Kopien. Wann das Bild eines unbekannten Malers in den Besitz des Museums gelangte, sei nicht mehr nachzuvollziehen. Vermutlich handele es sich um einen Nachkriegsankauf des ehemaligen Direktors Albert Steeger. Irgendwann in den 1950er- oder 1960er-Jahren habe auch jemand versucht, das Gemälde zu restaurieren. Das sei jedoch nicht fachgerecht erfolgt, so Diplom-Kunstrestauratorin Maria Gembala-Dauksza. „Bislang habe ich gut 50 Prozent des Bildes gereinigt“, sagt die Restauratorin. Für die weitere Entfernung von Firnis und Oberflächenschmutz sowie neue Retuschen wird sie noch etwas Zeit benötigen. Ferner wird sie eine zweite, neue Leinwand anbringen müssen. Denn das Gemälde wurde zur Stabilisierung auf eine zweite Leinwand geklebt, die nun ersetzt werden muss.

AG Flachsmarkt spendet Geld

Die Restaurierung wird durch die Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt ermöglicht. Deren Mitglieder haben am diesjährigen Pfingstwochenende dafür gesammelt und den Betrag auf 500 Euro aufgerundet. „Vorab hatten wir uns ein Exponat ausgesucht, das wir unterstützen möchten. Es sollte ein Objekt sein, das sich Menschen auch im Museum anschauen können“, so Alexander Raitz von Frentz von der Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt. Den Rest der Kosten stiften die Freunde derMuseen Burg Linn. Die Spendenaktion auf dem Flachsmarkt hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal stattgefunden. Damals sammelten sie für das Deutsche Textilmuseum Krefeld, diesmal für das Museum Burg Linn.

Kurfürst Joseph Clemens traf übrigens 1720 in Uerdingen mit großen Brimborium seinen Neffen und späteren direkten Nachfolger, den Bischof von Münster Clemens August. Für die Salutschüsse mussten extra Geschütze in die Rheinstadt transportiert werden, das notwenige Schießpulver schenkte der Kurfürst der Stadt. Vielleicht verhandelten sie dort bereits über die Nachfolge im Kurfürstentum Köln. In die Regierungszeit von Joseph Clemens fiel auch die Zerstörung der Burg Linn durch Kriegsfolgen und Brände. Für die Jagdbesuche ließ Clemens August um 1740 in der Vorburg das einstige Back- und Brauhaus als Jagdschloss umbauen. Dort hängt heute nicht nur sein Abbild im „Kurfürsten-Zimmer“, sondern noch ein weiteres Gemälde von Joseph Clemens aus dem 17. Jahrhundert, das auf seine Restaurierung wartet.

Quelle: Stadt Krefeld
Foto: Stadt Krefeld
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