Kunstmuseen Krefeld zeigen Ausstellung

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Kunstmuseen Krefeld zeigen Ausstellung „Die Kräfte hinter den Formen“
Kunstmuseen Krefeld zeigen Ausstellung „Die Kräfte hinter den Formen“

Kunstmuseen Krefeld zeigen Ausstellung „Die Kräfte hinter den Formen“

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Zwölf Künstler stellen ihre Arbeiten in Haus Lange und Haus Esters aus

Zwei Steine aus weißem Carrara-Marmor liegen mitten im großen Raum von Haus Lange. In Größe und Form sind sie beinahe identisch, nur einer ist das Original, der andere wurde von Giuseppe Penone bearbeitet. „Essere fiume (7)“ hat der italienische Bildhauer und Konzeptkünstler diese Arbeit aus dem Jahr 2000 genannt. Der Titel bedeutet so viel wie „Fluss sein“ und deutet auf seine Kreation des einen Steins, die ansonsten ein Werk der Natur wäre. Die Ausstellung „Die Kräfte hinter den Formen. Erdgeschichte, Materie, Prozess in der zeitgenössischen Kunst“ in den Krefelder Museen Haus Lange und Haus Esters zeigt nun zwölf internationale Künstler, die sich mit Formkräften der Natur und allgemein mit prozesshaften Strukturen auseinandersetzen. Die Ausstellung in den Mies-van-der-Rohe-Villen findet in Kooperation mit der Galerie im Taxispalais Innsbruck und dem Kunstmuseum Thun statt.

Der Nobelpreisträger für Chemie, Paul Crutzen, prägte in einer Veröffentlichung 2002 den Begriff Anthropozän, das „menschlich Neue“, für einen Prozess, in dem der Mensch in den vergangenen 200 bis 300 Jahren die Umwelt entschieden mit verändert hat und weiterhin verändert. In der von Dr. Magdalena Holzhey (Kunstmuseen Krefeld) kuratierten Ausstellung setzten sich die Künstler auf vielfältige Weise mit der Erde, der Natur und dem Handeln der Menschen und dessen Auswirkung auseinander. „Die Kunst, die wir hier zu sehen bekommen, zwingt uns dazu, unseren Blick zu schärfen und unsere Antennen deutlich feiner zu justieren, als wir das im Alltag gemeinhin tun“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer bei der Eröffnung. Die Ausstellung folgt motivisch einem Gang durch die natürliche Umwelt: vom Inneren der Erde und Strukturen des Organischen über das Mineralreich und das Sandkorn bis hin zu Fels und Lava, Wasser und Eis, Elektrizität und Sauerstoff. „Es geht nicht um eine Illustration von Naturphänomenen“, so Holzhey. Es gehe um eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Material.

Den beiden Brocken von Giuseppe Penone steht eine poetisch anmutende Aufnahme von Katie Paterson (Inside this Desert Lies the Tiniest Grain of Sand, 2010) gegenüber: Sie ließ ein Sandkorn mit Nanotechnik so verkleinern, dass es nicht mehr sichtbar war. Die Fotoaufnahme zeigt sie bei der Performance einsam in der weiten Dünenlandschaft wie eine Figur Kaspar David Friedrichs, bei der sie das so veränderte Sandkorn in eine Wüste zurückbringt. Eine ortsspezifische Arbeit hat Nina Canell für Haus Lange entwickelt und realisiert. Unmittelbar am Raum „Le Vide“ (1961) von Yves Klein hat sie eine Deckenkonstruktion mit einem Lüftungsschacht eingefügt, aus dem mit Sauerstoff angereicherte Luft strömt. „Man kann es eigentlich nur wahrnehmen, wenn man es weiß“, so Holzhey. Das physikalische Phänomen wie die Zufuhr von Sauerstoff überträgt sie von konkreten in nicht messbare Dimensionen und stellt, explizit oder implizit, Verbindungen zum menschlichen Körper und seiner Wahrnehmung her.

Im benachbarten Haus Esters überrascht der jüngste Teilnehmer, Julian Charrière, Jahrgang 1987, mit seiner Installation „Metamorphism“ (2015). Den Aspekt des „Anthropozän“ als Eingriff des Menschen, in diesem Fall in die Geologie, setzte er mit der Verschmelzung von Elektroschott und Lava um. Das von ihm so neu kreierte Gestein enthält neben dem natürlichen Anteil die Überbleibsel aus der digitalen Technologie, die als solche jedoch nicht mehr erkennbar sind. Sein fotografisch festgehaltener Versuch, einen Eisberg mit einem Schweißbrenner zu schmelzen, ist ebenso ein Kommentar zur Klimaerwärmung wie zur Gegenüberstellung von menschlicher und erdgeschichtlicher Zeit.

Zur Ausstellung ist ein Buch mit zahlreichen Essays und einem umfangreichen Abbildungsteil im Snoeck Verlag aus Köln erschienen. Weitere Informationen über die Ausstellung, das Begleitprogramm und die Kunstmuseen Krefeld stehen unter www.kunstmuseenkrefeld.de.

Quelle: Stadt Krefeld
Foto: Stadt Krefeld