Gefesselte Flamingos und medizinische Geheimnisse hinter Paravents

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Gefesselte Flamingos und medizinische Geheimnisse hinter Paravents
Der Künstler und Mies van der Rohe-Stipendiat Naufus Ramírez-Figueroa zeigt im Museum Haus Esters unter dem Titel "Die Vereinigung zweier Flamingos auf einem Blechdach" sehr persönliche Arbeiten. Foto: Kunstmuseen Krefeld

Gefesselte Flamingos und medizinische Geheimnisse hinter Paravents

Mies van der Rohe-Stipendiat Ramírez-Figueroa stellt im Haus Esters aus

Der junge Künstler Naufus Ramírez-Figueroa zeigt seit Sonntag eine sehr persönliche Ausstellung im Museum Haus Esters in Krefeld. Der 16. Mies van der Rohe-Stipendiat der Stadt Krefeld wurde 1978 in Guatemala geboren und floh schon als Achtjähriger vor der Diktatur in seinem Heimatland. Heute lebt er in Berlin. Mit „Die Vereinigung zweier Flamingos auf einem Blechdach“ setzt er die Tradition ortsspezifischer Arbeiten im Haus Esters fort, bezieht sich dabei jedoch nicht auf die Architektur, sondern auf eigene Erlebnisse und Erfahrungen.

Das Leitmotiv der von Dorothee Mosters kuratierten Ausstellung ist der Prozess der Genesung. Das wird schon im ersten Raum deutlich, in dem aus einer rosafarbenen, kistenförmigen Skulptur ein Unterschenkel wächst. In kleinen Spalten auf der Rückseite befinden sich weiße Gefäße, deren Form an Arzneimittelflaschen erinnert. In zwei weiteren Räumen hat der Künstler Paravents installiert, die an ein Krankenhaus denken lassen. Dahinter entdeckt der Besucher gläserne Gebilde: eins in Form einer Ader, ein anderes als Venusmuschel, die über einen MP3-Player mit Fandangoklängen ins Schwingen gebracht wird. Mit diesen Werken verarbeitet Naufus Ramírez-Figueroa die jahrelange Bürde, seine schwer kranke Großmutter zu pflegen. In einem anderen Raum erinnert er mit einem Videofilm an die Ermordung seines Onkels während des Bürgerkrieges. Die Flamingos, die der Ausstellung ihren Titel geben, finden sich in einem weiteren Raum: Sie sind in unnatürlicher Haltung gefesselt, die absurde Szene weist Bezüge zu Folter und Gefangenschaft auf.

Das mit 5000 Euro dotierte Mies van der Rohe-Stipendium der Stadt Krefeld wurde 1979 eingerichtet, um junge internationale Künstler zu unterstützen und ihnen eine Einzelausstellung zu ermöglichen. Naufus Ramírez-Figueroa ist der 16. Preisträger. Seine Ausstellung wird von der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld unterstützt. Sie ist von Dienstag bis Sonntag, von 11 bis 17 Uhr, zu sehen und endet am 27. August.

Quelle: Stadt Krefeld
Foto: Kunstmuseen Krefeld