Ethik, Moral und Menschenwürde – mit den Religionen oder ohne Religion …. auf Haus Horst in Kalkar

Ethik, Moral und Menschenwürde - mit den Religionen oder ohne Religion .... auf Haus Horst in Kalkar
von links: Ron Manheim, Frau van Aaken, Johannes Mecking, Melanie Russo - oben: Willi Heuvens

Ethik, Moral und Menschenwürde – mit den Religionen oder ohne Religion …. auf Haus Horst in Kalkar

Zu einem interessanten und informativen Gespräch trafen sich am heutigen Samstag Ron Manheim, Literatur-, Kunst- und Kulturkenner und Humanist – Johannes Mecking, Kreisdechant und Propst – Willi Heuvens als Moderator und Frau van Aken, die in der Seniorenresidenz alle Aktivitäten der Seniorinnen und Senioren im Bereich von Glaube, Kirche und Religion plant und durchführt.

Gerade die Burganlage Haus Horst, die im 12. Jahrhundert entstand, bietet mit ihrem Ambiente, ihren historischen Räumen und mit dem ausgedehnten Burg- und Wildpark den entsprechenden Rahmen für Dialoge und Diskussionskreise mit Menschen aus Politik, Kirchen, Kunst, Kultur und Wirtschaft.

Ron Manheim sieht es als zwingend notwendig an, dass eine grundlegende Veränderung, weg von der reinen Konsumgesellschaft, stattfindet. Den Menschen wird dauerhaft und ständig vorgeführt, Kurzzeitbedürfnisse zu befriedigen. Hier ist eine intensive Ursachenforschung dringend gefordert, der Mensch darf und soll kein Wirtschaftsfaktor sein und bleiben. Dazu ist es notwendig, die Einführung eines neuen Wirtschaftssystems vorzubereiten und in die Tat umzusetzen. Stetiges Wachstum ist gegen den Menschen gerichtet und vernichtet die Menschheit.

Johannes Mecking wies darauf hin, dass Menschen mit einem humanistischen Weltbild ein Umdenken positiv beeinflussen können. Die Geschichte hat gezeigt, dass nach dekadenten Entwicklungen positive Neuanfänge möglich waren. Jesus, Buddha oder auch Mutter Teresa sind Beispiele herausragender Art.

Frau van Aaken bestätigte diese Praxis besonders auch im Bereich Heranwachsender und Jugendlicher. Viele Jugendliche suchen wieder wahre Werte und praktizieren bereits ein positives Umdenken.

Ron Manheim erklärte, die jetzige Situation der Menschen weltweit bedrohe die Menschheit extrem. Selbst in bevölkerungsreichen Ländern wie China, Indien und Brasilien nimmt das Konsumdenken bedrohliche Formen an. Hier gilt es, auch durch wissenschaftlich bewiesene Tatsachen und Argumente die Menschen entsprechend aufzuklären und eine Änderung zugunsten des Menschen zu erreichen.

Johannes Mecking ergänzte, dass es diese Problematik nicht nur heute gibt, sondern bereits in der Vergangenheit diese Probleme zu immer stärkerem Egoismus führten.

Übereinstimmend stellte man fest, den Konsumzwang extremer Art auch immer häufiger beobachten zu können, wenn man sich mal die Zeit nimmt, den Inhalt gefüllter Einkaufswagen wahrzunehmen. Durch immer weiter steigenden Wachstums- und Konsumzwang steigt auch die moralische Bedrohung.

Ron Manheim, der eigentlich keine Gottesvorstellung hat, ist folgender Überzeugung:
Es mag sein, dass die Weltreligionen (und auch andere) heute alle die uneingeschränkte Nächsten- und Menschenliebe als einen der zentralen Inhalte ihres Glaubens betrachten und tragen. Das heißt aber nicht, dass diese zentralen ethischen Grundhaltungen (nur) durch die Religionen in die Welt gekommen sind. Es sind Inhalte, auf die ein nachdenklicher und tief empfindender Mensch auch ohne Religiosität kommen kann und muss.

Dagegen erklärte Kreisdechant und Propst Johannes Mecking:
Was ist richtig – was ist falsch? Was ist gut – was ist böse? Diesen Fragen stellen sich ethisch denkende und handelnde Menschen, unabhängig von Weltanschauung oder Religion.

Was aber unterscheidet den religiös orientierten Menschen auf der Suche nach den Antworten auf diese Fragen? Der Versuch einer ersten Antwort: Der religiös denkende und handelnde Mensch bezieht sich in seinem Urteil auf ein auf Gott orientiertes Gewissen. Dabei geht es nicht darum, anderes Urteilen und Handeln zu verurteilen, sondern für sich persönlich eine Grundlage zu haben. Dass Menschen anderer Weltanschauungen und Religionen Ethik und Moral achten und schätzen, wird damit nicht geleugnet. Allerdings weiß der religiös orientierte Mensch sich verantwortlich gegenüber einer letzten Instanz, vor der er sich, sein Leben, sein Reden und Handeln einmal verantworten muss. Insofern gibt es zwischen den beiden Positionen sicher auch viele Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede, die sich jedoch auch gegenseitig ergänzen und bestärken können.

Weiter bemerkte Johannes Mecking, dass die Anhänger und Gläubigen verschiedener Religionen nicht nur die Unterschiede ihrer Glaubensgemeinschaften bewerten sollten. Vielmehr wichtig sind die zahlreichen Übereinstimmungen in vielen Bereichen.

Ron Manheim berichtete von einer Konferenz der Religionen, die vor einigen Jahren stattfand. Gemeinsam erklärten hier viele Religionen und Weltanschauungen ihr uneingeschränktes Eintreten für die Ehrfurcht vor dem Leben, vor Toleranz und Wahrhaftigkeit und nicht zuletzt für eine gerechte Wirtschaftsordnung.

Viele Mitmenschen, die materiell schwach gestellt sind, haben im übrigen eine hohe soziale Kompetenz. Unproblematische und unbürokratische Hilfe wäre hier eine echte und wahre Hilfe. Alle Menschen ziehen letztlich „an einem Strang“, nationalistische Töne verhindern ein harmonischen Miteinander der Menschen.

Ich bedanke mich bei Ron Manheim, bei Johannes Mecking und Frau van Aaken, auch im Namen der Familie Keller und der Einrichtungsleiterin Nicole Klösters-Kolk für diese so wertvolle Diskussion.

Zu den so wichtigen Aktivitäten von Ron Manheit im Sinne der Menschlichkeit empfehle ich diese Website:

http://mifgash.de/

Redakteur: Willi Heuvens
Foto: Willi Heuvens